Letzte Woche erst angekündigt und nun starten wir schon direkt durch: Der erste Teil der Artikel Serie “Mamas Sparschwein” ist hier – und es geht direkt ans Eingemachte. Das Thema Elternzeit wird hier noch häufiger auftauchen, denn diese – so wunderbar sie auch ist – ist voller Fallstricke was die Finanzen von Familien und insbesondere Müttern angeht.

Dieser Artikel hier richtet sich vor allem an die Familien, die das erste Mal eine Elternzeit mit Elterngeld vor sich haben. Und wer schon einmal durch diesen bürokratischen Wust gegangen ist, wird sich vermutlich wiederfinden. Hier kommen sie also, meine 4 Gründe weshalb man vor Elternzeit-Start einen gnadenlosen Kassensturz machen sollte.

1. Ausgaben und Lücken verstehen

Wer in der Elternzeit Elterngeld beziehen darf, wird eine Differenz von seinen gewohnten Einnahmen zum Elterngeld haben. Das Elterngeld liegt bei rund 65% des vorigen Nettoeinkommens, gekappt bei 1.800€. Bleibt, nach Adam Riese, also eine Lücke von mindestens 35%. Nur wer weiß, wofür er sein Geld ausgibt, kann sich eine Taktik überlegen wo er diese 35% einspart. Dazu kommt, dass von diesen 1.800€ bei unverheirateten, freiwillig gesetzlich Versicherten noch die Krankenkasse bezahlt werden muss, was sonst vom Brutto abgezogen wird.

Der ein oder andere Schlaumeier wird nun sagen: “Macht nix, die 35% spare ich zur Zeit eh…” Dem möchte ich sagen, dass beim Sparen vielleicht nicht gerade gespart werden sollte. Denn in der Elternzeit braucht man Puffer und die Altersvorsorge sollte man auch nicht vernachlässigen – dazu weiter unten mehr.

Die Lösung: Ein Haushaltsbuch führen, mindestens 4 aber besser 8-10 Wochen lang. Danach in der Familie zusammen setzen und überlegen, welche Ausgaben wegfallen, welche hinzukommen und welche absolut nicht zu kürzen sind.

2. Einen Puffer für die Elternzeit aufbauen

Geld für die Elternzeit beiseite legen.
Ab ins Sparschwein – Puffer für die Elternzeit!

Ich kann nur aus meiner Erfahrung mit der Stadt Köln sprechen, habe aber ähnliches auch schon aus anderen Regionen gehört: Das Elterngeld startet manchmal nicht pünktlich im ersten Elterngeld-Monat sondern Wochen oder gar Monate später. Ich persönlich habe 4 Monate auf den Start des Elterngeldes gewartet (1. Auszahlung kam 6 Monate nach der Geburt), mittlerweile hat die Stadt das aber wohl besser unter Kontrolle.

In der Realität heißt das, dass man einen Puffer braucht. Gerade in den ersten Lebensmonaten des Kindes will man nicht von Sorgen geplagt sein, wovon man die nächste Miete oder die Windeln bezahlen soll weil das Geld nicht kommt. Ein Puffer – zusätzlich zum allgemeinen, minimal notwendigen Notgroschen – von 3-6x Elterngeld oder 2-4x Nettomonatseinkommen kann Dir diese Sorgen nehmen.
Wieviel Du genau brauchst weißt Du, wenn Du deine Ausgaben (siehe oben) und deine aktuelle Sparsumme kennst.

Und wenn Du es nicht aufbrauchst, hast Du diese Sicherheit am Ende der Elternzeit falls Du diese aus vorher ungeahnten Gründen verlängern musst und kein Elterngeld mehr bekommst.

Die Lösung: So früh wie möglich Pufferbedarf ausrechnen und über kleine Sparsummen bis zum erwarteten Geburtstermin zur Seite legen.

3. Steuerrelevanz von Elterngeld

Elterngeld ist steuerfrei. Das weiß eigentlich jeder. Dummerweise wissen aber viel zu wenige, dass es einen Progressionsvorbehalt gibt. Das heißt, dass die Summe des Elterngeldes aus einem Kalenderjahr zur Bestimmung des Steuersatzes auf das Einkommen aufgeschlagen wird. Vor Ermittlung der tatsächlichen Steuerlast wird es wieder abgezogen. Das kann zu Nachzahlungen oder aber ungewohnt niedrigen Erstattungen führen.

Wenn ihr einen Steuerberater habt, kann dieser euch vermutlich relativ schnell sagen ob es zu einer Nachzahlung und wesentlich geringeren Rückzahlung kommt wenn alles andere gleich bleibt. Mit einem Programm wie WISO könnt ihr es auch testen, in dem ihr die Erklärung des Vorjahres als Kopie öffnet (Achtung, nicht das original überschreiben) und einfach mal Einkommen für einige Monate rausnehmt dafür Elterngeld an der entsprechenden Stelle eintragt.

Die Lösung: Der oben aufgebaute Puffer erfüllt auch hier seine Aufgabe. Im Falle einer Steuernachzahlung kannst Du daraus schöpfen.

4. Altersvorsorge während der Elternzeit im Blick halten

Mamas Sparschwein
Mamas Sparschwein

Während der Elternzeit – mit und ohne Elterngeldbezug – wird weder vom Arbeitgeber noch von Dir selbst in die gesetzliche Rentenvorsorge eingezahlt. Auch die betriebliche Altersvorsorge beim Arbeitgeber steht in dieser Zeit in aller Regel still, da kein Gehalt gezahlt wird. Private Altersvorsorge die vom Nettoeinkommen selbst bezahlt wird läuft weiter, will aber finanziert werden.

Auch wenn der Staat einem für jedes Kind 3 Rentenpunkte zu je 1 Rentenpunkt pro Jahr für drei Jahre gutschreibt, entsteht hier eine Lücke. Ein Rentenpunkt entspricht einer Zahlung nach durchschnittlichem Gehalt in Deutschland – sprich einige von euch werden normaler weise mehr bekommen (2 sind maximal möglich). Wer nach ein oder zwei Jahren wieder arbeiten geht und mehr als 1 Rentenpunkt aus dem Gehalt und der daraus geleisteten Zahlung erhält verliert(!) den Anteil der aus Erziehungszeiten gewonnenen Rentenpunkte die über 2 gehen. Im Schlimmsten Fall also 2 volle Rentenpunkte von den 3 zur Geburt des Kindes zugesprochenen. Wer gar keine Elternzeit nimmt kann so sogar alle 3 verlieren.

Bei längeren Elternzeiten (und womöglich mehr als einem Kind) kann sich dies ganz ordentlich summieren und plötzlich sinken die vor den Kindern in Aussicht gestellten Ansprüche aus gesetzlicher und betrieblicher Altersvorsorge “bei gleichbleibender Zahlung” (wie es auf den Beispielrechnungen immer so schön draufsteht). Denn gleichbleibende Zahlung ist für Eltern utopisch. In Teilzeit geht das ganze Spiel weiter – wer weniger verdient bekommt auch weniger Rentenpunkte und weniger betriebliche Altersvorsorge als bei Vollzeit einst ausgerechnet.

Die Lösung: Im Kassensturz auch die Altersvorsorge berücksichtigen. Wieviel weniger zahle ich ein, wenn ich wie geplant 1 / 2 / 3 oder gar mehr Jahre zu Hause bleibe und / oder in Teilzeit wiederkomme? Diese Lücke sollte man versuchen so gut es geht zu schließen, zum Beispiel über private Vorsorge wie einen ETF Sparplan (dazu ein andermal mehr).

Kassensturz vor der Elternzeit muss sein

Jetzt weißt Du, warum ich es unerlässlich finde, vor der Elternzeit einen ordentlichen Kassensturz zu machen. Wieviel Geld haben wir? Wieviel Geld brauchen wir? Zwei kleine Fragen mit großer Wirkung.

Vorbereitung kann einem hier echt die Nerven retten – denn die sind im ersten Jahr nach der Geburt schon strapaziert genug.

Welche Erfahrungen hast Du mit Finanzen in der Elternzeit gemacht? Und wann war dein letzter Kassensturz, mit Haushaltsbuch und allem drum und dran? Lass es mich in den Kommentaren wissen.


In diesem Artikel sind Affiliate Links des Amazon Partnerprogramms enthalten. Solltest Du das beschriebene Produkt über einen dieser Links erwerben, bekomme ich eine kleine Provision die in den Erhalt der Website fließt. Für dich entstehen dadurch keinerlei Kosten – der Preis des Produktes bleibt gleich. Ich danke Dir dass Du mich und mein Hobby “Windeln und Workouts” bei Nutzung der Links unterstützt.

Author

34. Mama vom Mausebär. Weltenbummler, fest verankert in Köln. Crossfitter und Eishockeyspieler. Ernährungs-Besserwisser.

7 Comments

  1. Stimmt, die Zeit, wenn das Kleine da ist, ist schon stressig genug, so schön sie auch ist! Da möchte man nicht auch noch über finanzielle Sorgen haben. Ich weiß gar nicht, wie ich das damals gemeistert habe, das war wirklich nicht einfach!

    Liebe Grüße
    Jana

  2. Da ich keine Kinder habe kann ich nicht über Erfahrungen sprechen. Ich finde es aber gut, dass du hierüber informierst und auch gleichzeitig Tipps gibst, das wird sicherlich dem ein oder anderen helfen. Generell finde ich es aber immer wichtig einen Überblick über die Finanzen zu haben. Ich führe auch ein Haushaltsbuch um einfach zu schauen wohin das Geld so fließt.

    Viele Grüße Eileen von http://www.eileens-good-vibes.de

    • Ein Haushaltsbuch ist wirklich sehr sinnvoll! Ich selbst habe zur Zeit keins, aber ich habe immer wieder mal eins geführt um ein Gefühl für meine Ausgaben zu bekommen. Das hilft schon sehr. 🙂

  3. Meine Eltern haben immer genau Haushaltsbuch geführt. Ich bin da ehrlich gesagt zu nachlässig … aber ich werde da nochmals darüber nachdenken. Das sind wichtige Themen, die du ansprichst. Vor allem die Altersvorsorge übersehen wir Frauen leider viel zu gerne.

    lg
    Nena

  4. 4 Monate hast Du warten müssen auf den Start des Elterngeldes? Das ist ja wirklich ein Skandal! Ich selbst habe keine Kinder, aber auch ich habe einen sorgfältigen Kassensturz gemacht, bevor ich meinen Job aufgegeben habe letztes Jahr. Das war auch wirklich wichtig. Deshalb ist Dein Beitrag für alle, die eine Elternzeit planen, supernützlich. Denn bei uns in Deutschöand ist eben alles grundsätzlich komplizierter, als man so denkt…:-)
    LG Renate von http://www.trippics.de

  5. Liebe Katharina,

    hier hast du wirklich gute Tipps zusammengefasst. Wir haben damals keinen Kassensturz in diesem Sinne gemacht, aber wir haben natürlich schon gerechnet was wir an Geld haben bzw. benötigen würden. Da ich aber von Natur aus eine kleine Sparmaus bin, hatten wir da auch keine Probleme. Zum Glück war unsere Stadt mit der Zahlung des Elterngeldes zügig, sodass wir auch keine Engpässe hatten. Aber für werdende Jungeltern ist das hier ein sehr nützlicher Artikel.

    Liebe Grüße
    Mo

  6. Da ich keine Erwerbstätigkeit (war Studentin) vor den Geburten meiner Kinder nachgegangen bin, kann ich da nicht mitreden. Ich war um jeden Groschen dankbar, den ich überhaupt erhalten habe und da das ja schon ein paar Jahre zurückliegt, waren die Regelungen anders. Ich bin also nicht mehr auf dem neusten Stand, müsste meine Kusine mal fragen, wie das bei ihr so ist. Und vielleicht interessiert sie sich auch für Deinen Beitrag.

    Lieben Gruß, Bea

Write A Comment

CommentLuv badge