Kinder kosten Geld. Soweit ist das allen klar. Aber dass sie vor allem die Mütter teuer zu stehen kommen ist etwas worüber selten gesprochen wird. Nun haben wir es dank einer Studie namens „Child Penalties“ (siehe Fussnote (1)) schwarz auf weiß: Kinder sind für die Mamas beruflich eine echte Strafe.

Das klingt jetzt natürlich extrem hart. Ist es auch. Und vielleicht muss man es genau so sagen, denn sonst wird es auch weiter übersehen und das hat für Mütter im Alter extreme Auswirkungen. Was man beim Namen genannt hat kann man angehen – und wir sollten uns dringend darum kümmern. Denn muss das so sein? Ich glaube nicht.

Was wurde herausgefunden?

Es war ein internationales Forscherteam, das sich die Einkommensverhältnisse von Eltern über 6 Länder hinweg angeschaut hat. Und gemeinsam kamen sie zu dem Schluss, dass selbst in einem Vorzeige-Land wie Schweden das erste Kind zu starken Einkommenseinbußen bei der Mutter führt. Dieser Abwärtstrend direkt nach der Geburt ist auch 10 Jahre später nicht wieder aufgeholt – dafür geht einfach zu viel verloren. Vielmehr pendelt die Mutter sich in Sachen Gehalt um das neue „Normal-Null“ nach der Geburt ein, während der Vater keinerlei Einbußen hat und sich weiterhin um das Gehalt vor der Geburt herum bewegt.

Veränderung des Gehaltes nach der Geburt des 1. Kindes

Erziehung ist immer noch Frauensache

Warum ist das so? In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung beschreibt Josef Zweimüller, der selbst an der Studie mitarbeitete, die Gründe. Mindestens die Hälfte des Effektes ist demnach auf die Arbeitsmarktbeteiligung zurück zu führen. Sprich, Frauen gehen nach dem Mutterschutz und gegebenenfalls der Elternzeit häufig nur in Teilzeit in ihren Beruf zurück. Ein Schritt den Väter nur selten gehen.

Natürlich ist Teilzeit keine „schlechte“ Entscheidung. Zeit für die Familie zu haben ist gut und wichtig – sowohl für die Kinder, als auch für die Eltern. Erschreckend ist jedoch, dass die Lücke langfristig nicht wieder aufgeholt werden kann – selbst wenn die Kinder aus dem Haus sind. Die Forscher vermuten dass auch 20 Jahre nach der Geburt die Lücke weiterhin ähnlich groß oder und unwesentlich geringer ausfallen würde.

In Dänemark verdienen Mütter auf lange Sicht 21 Prozent weniger als Männer, in Schweden 27 Prozent. In Deutschland ist der Child Penalty mehr als doppelt so groß.

Josef Zweimüller

Das ist jedoch nicht in allen Ländern so. In der Süddeutschen sagt Zweimüller: „In Dänemark verdienen Mütter auf lange Sicht 21 Prozent weniger als Männer, in Schweden 27 Prozent. In Deutschland ist der Child Penalty mehr als doppelt so groß.“ Fehlen bei uns die Anreize in Vollzeit zurück zu kommen, oder wird es verweigert? Ein Recht auf eine Vollzeitstelle hat man nach so langer Zeit nicht. Auch ist die gesellschaftliche Anforderung beteiligt: In Deutschland wird immer noch erwartet, dass sich die Frau im Wesentlichen um die Erziehung (und den Haushalt) kümmert. In Dänemark ist das tatsächlich etwas anders – und siehe da: Die Lücke ist nur ein Drittel so groß.

Abhängigkeit vom Ehemann

Das größte Problem des verringerten Einkommens ergibt sich langfristig. Schaut man sich die Studie Mitten im Leben im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2016 an, dürften die Zahlen einen erschrecken: 19 Prozent der verheirateten 30- bis 50-jährigen Frauen verdienen auch heutzutage kein eigenes Gehalt. 63 Prozent – der schlaue Leser weiß: DAS IST MEHR ALS DIE HÄLFTE – der verheirateten Frauen dieser Altersspanne verdienen weniger als 1.000 Euro netto im Monat. Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen – und dann kontrolliert bitte mal euren letzten Lohnzettel.

Ich wünsche euch allen eine gesunde Ehe und eine tolle Partnerschaft. Aber diese garantiert einem niemand. Und sollte es zur Trennung oder gar zu einem Unfall des Mannes kommen, dann ist das wirklich wenig. Auch mit Kindergeld und Unterhalt – so man diesem nicht hinterher rennen muss. Sobald das Kind übrigens 3 Jahre alt ist wird laut Unterhaltsrecht von der Frau erwartet, dass diese Vollzeit arbeitet. Somit erhält eine geschiedene Frau dann nur noch Anspruch auf Unterhalt für die Kinder, aber nicht für sich selbst.

Übrigens ist das ausnahmsweise mal kein Meckern auf hohem Niveau – zumindest nicht im europäischen Vergleich. Die OECD (die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) beschreibt in ihrem Bericht Dare to Share, dass in keinem anderen europäischen Land so wenig vom Familieneinkommen von Frauen beigetragen wird.

Gender-Pay-Gap ist Resultat und Ursache in einem

Ein weiterer Spieler in der Gehaltsdifferenz und in der Folge der möglichen Altersarmut ist der Gender-Pay-Gap. Tatsächlich ist dieser zu Beginn der Karriere kaum vorhanden: Einstiegsgehälter sind oft gleich. Erst über die Jahre entsteht die Differenz.

Zum einen ist das der Tatsache geschuldet, dass es nach wie vor eine gewisse Glass-Ceiling, also eine unsichtbare Barriere, gibt. Männer fördern nachweislich lieber Männer, Frauen gern Frauen. Da weiter oben aber nunmal immer noch mehr Männer sitzen, werden auch mehr Männer gefördert. Des Weiteren wird die Forderung nach mehr Gehalt von Männern häufiger und lieber geführt – und auch eher anerkannt. Als Frau gilt man schnell als forsch, unbelehrbar oder hochnäsig; während dem Mann gern positiv zugesprochen wird er wüsste was er wolle und stehe dafür ein.

Persönlich hatte ich immer Glück mit meinen Chefs und wurde auch während der Schwangerschaft und in der Elternzeit berücksichtigt wenn es um die Bewertung und Belohnung meiner Leistung ging. Häufig rückt aber spätestens wenn der dicke Bauch sichtbar ist eine Beförderung in weite Ferne, denn die Teilzeit und lange Elternzeit werden von vielen Chefs – Männer wie Frauen – vorhergesehen. Da entscheidet man sich schnell lieber für jemanden der auch in den nächsten Monaten noch fleissig ist, wenn man eine Beförderung zu vergeben hat.

Der schnellste Weg in die Altersarmut

So startet ein Kreislauf, aus dem es schwer ist auszubrechen: Die Frau verdient also weniger dank Gender-Pay-Gap wenn das erste Kind kommt. Und wer weniger verdient, der bleibt am besten (in Teilzeit) zu Hause, weil das große Gehalt für die Familie benötigt wird. Wer in Teilzeit zu Hause bleibt, holt die Lücke nicht mehr auf. Verdient weiter weniger. Bleibt also beim zweiten Kind / Pflegefall in der Familie auch wieder zu Hause… und so weiter.

Und so folgt nach Jahren in Teilzeit, vermiedenen Gehaltsverhandlungen und aus biologischen Gründen verpasster Förderung für viele Frauen ein „Gender-Lifetime-Earnings-Gap“. Sprich, wenn man alle Löhne die Frau im Leben erhalten hat zusammenrechnet ist die Summe bei der großen Mehrheit geringer als die Lohnsumme der Männer. Schaut man auf das Portal „Was Verdient die Frau“ lernt man, dass Frauen rund 50% weniger Lebenslohn haben als Männer. 

Wer weniger Lohn erhält, zahlt weniger in die Rentenversicherung ein und schwups erklärt sich das hohe Aufkommen von Altersarmut bei Frauen, das gerade in den letzten Wochen in den Überregionalen Zeitungen heiß diskutiert wurde (zum Beispiel hier in der Zeit). Als armutsgefährdet gilt man übrigens wenn man unter 960 Euro Rente im Monat bezieht. Man kann sich das zum Beispiel hier ausrechnen lassen.

Und was nun?

Worauf Mütter achten sollten um nicht in die Pay-Gap Falle zu treten
Nehmt Finanzen unbedingt (auch) selbst in die Hand!

Nimm Deine Finanzen in die Hand:
Zunächst einmal kann ich nur jeder Frau mit kleinen und großen Kindern raten, die eigenen Finanzen einmal genau zu überblicken. Viele Frauen haben einen genauen Überblick – viel mehr noch haben leider keinen. Bitte setzt euch genau damit auseinander: Was verdient ihr, wieviel arbeitet ihr, wie sorgt ihr für die Rente vor?

Sprich mit Deinen Freundinnen:
Informiert euch wie es bei anderen Frauen aussieht und unterhaltet euch darüber. Es ist wichtig über dieses Thema zu sprechen – nur so kann man etwas ändern. Vergleicht eure Absicherung und besprecht was sinnvoll ist.

Partner, Väter, Brüder, Chefs – alle sollten darüber Bescheid wissen:
Die meisten Männer denken über dieses Thema wenig bis gar nicht nach. Gerade die ältere Generation kommt damit das erste Mal in Berührung, wenn die eigenen Kinder ins Berufsleben starten („Stell Dir vor, Katharina – die städtischen Kindergärten machen alle um 16:30h zu. Da muss man ja um 15:45h den Griffel fallen lassen – wie soll denn das gehen? Und dafür soviel Geld!“).

Schaffe einen Ausgleich:
Wenn Du merkst dass Deine finanzielle Zukunft nicht so rosig ist, und Du tatsächlich von Deinem Partner abhängig bist, schaffe Ausgleich. Wenn Du in einer guten Partnerschaft lebst, sprecht darüber. Es gibt viele denkbare Modelle… Zum Beispiel könnte Dein Partner sich an einer privaten Rentenversicherung oder langfristiger Geldanlage für Dich beteiligen, insbesondere wenn Du länger als die für die Rente anrechenbaren 3 Jahre zu Hause oder lange in Teilzeit bleibst. Vielleicht ist für den Notfall auch eine Lebensversicherung denkbar – das Schicksal macht leider auch vor glücklichen Familien nicht halt.

Notgroschen anlegen:
Wenn die Waschmaschine erstmal kaputt ist, folgt meistens direkt noch der Trockner oder gar das Auto. Ein Notgroschen von 3-5 Netto-Monatsgehältern kann einem in so einer Situation viel Ärger ersparen. Darum lohnt es sich einen Notgroschen anzulegen und diesen auch wirklich nur im Notfall zu nutzen.
In einer schwierigen oder gar gewalttätigen Partnerschaft ist der Mangel an Eigenständigkeit zu häufig der Grund warum die Frau sich nicht trennen und in Sicherheit bringen mag. Das darf nicht sein. Ich hoffe ihr habt alle tolle Partner und kommt niemals in diese Situation – dennoch ist auch hier ein Notgroschen der wirklich euch gehört ein riesiger Vorteil. Denkt darüber nach.

Ressourcen: Bücher und Blogs die Dir helfen

Hier ein paar Tipps wo Du Dich weiter informieren kannst:

Madame Moneypenny – Hier wird sich ganz speziell auf Frauen bezogen und es werden viele hilfreiche Tipps gegeben, wie man seine Finanzen selbst in die Hand nimmt. Zusätzlich zum Buch empfehle ich euch auch den zugehörigen Blog sowie die Facebook Gruppe.

Souverän Investieren – Das Standardwerk von Dr. Gerd Kommer für alle die langfristige Geld in Aktienfonds und ETFs investieren wollen.

Nice Girls Don’t Get Rich und Nice Girls Don’t Get the Corner Office – Leider nur auf Englisch verfügbar und auch schon etwas älter. Hier geht es um die „Fehler“ die Frauen machen wenn es um Karriere und Geldanlagen geht, und wie man es besser machen kann.

Der Finanzwesir – Blog und Podcast rund um Finanzen, Investitionen und alles was man so wissen muss; für jedermann.

Was Verdient Die Frau – Auf dieser Website des Deutschen Gewerkschaftsbundes findest Du Informationen rund um die Sender Pay Gap, Wirtschaftliche Unabhängigkeit und mehr.

Die Kunst über Geld nachzudenken – Andre Kostolany – seines Zeichens Börsenguru – schreibt über Spekulation und Geldanlage.


Fußnoten:

  1. Die Studie „Child Penalties Across Countries: Evidence and Explanations“ wurde unter der Leitung von Henrik Kleven von der Princeton University in Beteiligung 4 weiterer hochrangiger Universitäten durchgeführt. Die komplette Studie kann auf der Website von Henrik Kleven kostenlos heruntergeladen werden (Stand April 2019). Bitte klicke dazu hier.

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Author

34. Mama vom Mausebär. Weltenbummler, fest verankert in Köln. Crossfitter und Eishockeyspieler. Ernährungs-Besserwisser.

2 Comments

  1. Leider werden Frauen ja in den meisten beruflichen Aspekten anders behandelt als Männer. So ist das leider auch, bzw. gerade, bei Müttern.
    Allerdings (und das ist jetzt nicht böse gemeint) gibt es da auch einige, die sich das einfach machen (ich bin Mutter, ich arbeite Teilzeit und ob Du mal früher nach Hause willst, ist mir egal, ich gehe jetzt.). Aber das ist ja gar nicht das Thema.
    Gerade als Mutter muss man sich wirklich überlegen, wie man auch langfristig mit seinem Geld klar kommt und ob man das auch allein schaffen würde. Denn leider gibt es ja oft unvorhergesehene Dinge und es kann schon sein, dass man plötzlich mit Kind allein klar kommen muss – auch finanziell.
    Deine Tipps sind wirklich super hilfreich (nicht nur für Mütter!). 🙂

    Ganz liebe Grüße,

    Tabea
    Tabea kürzlich veröffentlicht…Outfit mit schwarzem Tüllrock mit kariertem Blazer und gemusterten Adidas Falcon SneakernMy Profile

    • Hallo Tabea,

      ja – es gibt ja immer sone und solche („und dann gibt’s noch ganz andere…“ wie Herta so schön sagt). Mir ist tatsächlich auch völlig egal wie sich Mütter (oder Leute generell) entscheiden. Es gibt ja kein Richtig und Falsch das für alle gültig wäre… Hauptsache die Leute treffen ihre Entscheidung informiert.

      Du bist übrigens die erste, bei der CommentLuv anschlägt 😀 Cool!

      Viele Grüße,
      Katharina

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