Über Sport in der Schwangerschaft und fit bleiben habe ich hier schon viel berichtet. Aber was passiert, wenn das Baby erstmal da ist? Ein Baby in die Welt zu setzen und zu gebären ist keine Kleinigkeit und kostet die Mama und das Kind viel Kraft. Deshalb gibt es das Wochenbett, mit all seinen Ritualen und der Aufforderung Ruhe zu halten, zu kuscheln und sich zu erholen. Aber wer denkt schon vor der Geburt darüber nach?

Nachdem Du monatelang geplant, vorbereitet und alles getan hast, um dich bestmöglich auf die Geburt vorzubereiten geht es in dieser Artikel Serie um die Zeit danach. Denn diese Zeit ist unheimlich wichtig für Mutter und Kind und setzt die Grundsteine für eine schöne Mutter-Kind-Beziehung.

Auch wenn es den Anschein hat, dass sich die ganze Aufmerksamkeit und Fürsorge komplett von Dir auf Dein Baby verlagert hat, ist Dein Wohlbefinden immer noch eine Priorität, auch als Mama. Du bist jetzt nicht „Mama *aber* auch eigenständige Frau“ wie man es manchmal liest, sondern „Mama *und* auch eigenständige Frau“. Und wie wir alle aus den Erklärungen zur Sicherheit in Flugzeugen wissen, ist es manchmal wichtig zuerst die eigenen dringenden Bedürfnisse zu beachten damit man danach den anderen helfen kann.

Es ist leicht, viel Zeit, Mühe und Geld in die Gestaltung des perfekten Kinderzimmers, die Kliniktasche und des Geburtsplans zu stecken. Danke Pinterest.  Aber was ist mit NACH der Schwangerschaft? Das möchte ich in diesem (langen) Artikel genauer beleuchten.

Was ist das Wochenbett?

Neugeborene fordern zu Recht viel von Müttern - daher ist eine gute Vorbereitung auf das Wochenbett wichtig.
Neugeborene fordern zu Recht viel von Müttern – daher ist eine gute Vorbereitung auf das Wochenbett wichtig.

Das Wochenbett wird als die 6-8 Wochen dauernde Phase nach der Entbindung beschrieben, die in der Regel die Zeit ist, die die Gebärmutter einer Frau benötigt, um zu ihrer Größe vor der Schwangerschaft zurückzukehren. Auch der in Deutschland gesetzlich beschriebene „Mutterschutz“ ist an diesen Zeitraum angelegt.

Diese Zeitspanne verkennt jedoch die enorme Veränderung, die in frischgebackenen Müttern nach der Geburt eines Babys vor sich geht: Körperlich, emotional, geistig, in Beziehungen, in der Selbstdefinition und in vielem mehr. Mit der Rückbildung der Gebärmutter und dem zusammenrücken der Bauchmuskeln ist es wirklich nicht getan. Deshalb ist diese Zeitspanne zwar ein guter Richtwert, aber doch auch stark von der jeweiligen frisch gebackenen Mama abhängig.

Denn zusammen mit dieser Zeitlinie, gibt es immer wieder die falsche Vorstellung, dass eine frisch gebackene Mutter bis zur Nachsorgeuntersuchung 6 Wochen nach der Entbindung „wieder normal“ sein sollte. Dabei kann man so einen Standardzeitrahmen nun wirklich nicht als Erwartungshaltung für eine vollständige Genesung heranziehen. Das wäre Quatsch – und was heißt überhaupt normal?

Für die meisten Frauen dauert die Erholung von der Geburt und das Einfinden in das Leben als Mama zusammen mit der gesamten, nun gewachsenen Familie, mehrere Monate. Für manche, zum Beispiel nach traumatischen Geburten, sogar Jahre.

Das neue „normal“

Es gibt die Zeit vor der Geburt, und es gibt die Zeit danach. Der Übergang ist abrupt. Einzigartig. Und verändert alles. Eine Rückkehr zur Normalität wie man sie vorher kannte ist daher sowieso schon ausgeschlossen. Es muss sich alles einruckeln, damit man als Familie in ein „neues normal“ findet.

Gerade für neu-Mamas ist die Geburt und der Start ins Dasein als Mama ein echter Transformationsprozess. Plötzlich liegen Prioritäten anders, man verhält sich anders, andere Aspekte des Lebens rücken in den Fokus. Deshalb ist es auch so wichtig im Wochenbett wirklich zur Ruhe zu kommen. Kuscheln und sich kennenlernen. Aber auch sich selbst als Mama finden bevor man von außen mit Erwartungen überschüttet wird. Das mag esoterisch klingen – ist aber tatsächlich so. So sehr, dass es in der Psychologie mittlerweile sogar den Begriff der „Matreszenz“ gibt. Ein Wort dass sich der Parallelen mit der Adoleszenz (also der Jugend und dem Übergang vom Kind zum Erwachsenen) bedient und die gesamte Phase von Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und darüber hinaus umfasst. Die genaue Dauer ist von Person zu Person unterschiedlich.

Es braucht ein Dorf…

Wochenbett ist Zeit zum Ankommen und kuscheln.
Klein aber oho! Alle müssen erstmal ankommen…

Es gibt eine Vielzahl von Veränderungen, die spezifisch für die Zeit nach der Geburt sind und die eine frischgebackene Mutter anfällig für die vielen Herausforderungen machen, die auf sie zukommen können, einschließlich physischer und psychischer Gesundheitsprobleme. 

Die Realität ist, dass sich die Mehrheit der Mütter unvorbereitet auf die verschiedenen Herausforderungen fühlt, die ihre Reise nach der Geburt mit sich bringt. Ein Crashkurs zur Geburtsvorbereitung ist sicherlich ein guter Start, aber Vorbereitung auf Stillen und Babypflege braucht oft doch mehr. Nicht, weil es so furchtbar schwierig ist – sondern weil die mentale Vorbereitung so ein wichtiger Faktor ist.

Mehr noch: In Zeiten von Corona, Leben in der Stadt oft weiter weg von der direkten Familie, Leistungsdruck und vermeintlichen Vorbildern die alles locker schaffen ist ein großer Teil der Herausforderung für die jungen Eltern der gesellschaftliche Mangel Pflege, Unterstützung und Bildung rund um die postpartale Erholung. Kulturell sind wir in einer Zeit, in der wir die meiste Unterstützung brauchen, isolierter denn je. Es ist zwar nur ein Sprichwort – aber es enthält etwas Wahrheit, dass es ein Dorf braucht, um eine Familie zu gründen und Kinder groß zu ziehen.

Wenn man bedenkt dass man in der Schwangerschaft 9 Monate lang engmaschig kontrolliert, betreut und versorgt wird, den Frauen dann aber oft die Hebammen für die Nachsorge fehlen, sollte einen das doch stutzig machen. Das ist einfach unzureichend für frischgebackene Mütter, die sich in der umwälzendsten Zeit ihres Lebens befinden und vor enormen Herausforderungen stehen, physisch und psychisch, mit minimaler Unterstützung. 

Viele frischgebackene Mütter leiden im Stillen, ohne zu wissen, dass die Symptome oder Umstände, mit denen sie konfrontiert sind, entweder verhindert oder mit angemessener Pflege und Unterstützung minimiert werden können. Eine gute Hebamme, mit der man offen sprechen kann, und eine Familie und Freunde die offen über eigene Erfahrungen und Hürden reden statt diese zu verstecken sind im Wochenbett Gold wert.

Fragt nach Hilfe – Überlegt was euch wichtig ist

Zusammenhalt als Familie und liebevolle Hilfe können das Wochenbett nur bereichern.

Wenn junge Eltern gestresst oder in Angst in das Familienleben starten, kann das erhebliche Auswirkungen auf ihre gesamte Familie haben, einschließlich ihres Babys. Wenn neue Mütter hingegen die Unterstützung und die Ressourcen haben, die sie brauchen, um für sich selbst durch die Anforderungen der Schwangerschaft, der Geburt und des Wochenbetts zu sorgen, werden sie besser gerüstet sein, um für ihre Babys und ihre Familien zu sorgen. 

Eine blühende Familie beginnt mit einer blühenden Mutter.

Als frischgebackene oder werdende Mutter ist auch Dein Leben wichtig – nur wenn es Dir gut geht kannst Du dem Kind gerecht werden. Selbiges gilt für den anderen Elternteil. Das ist wie im Flugzeug, wo man die eigene Sauerstoffmaske zuerst aufsetzen muss, damit man in der Lage ist den Menschen um einen herum adäquat zu helfen.

Neue Mütter werden mit unrealistischen Standards konfrontiert, wenn es um das Wochenbett geht, und es gibt die Erwartung, dass es einem nach der Geburt eines Babys gut geht, wenn man so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommt.  Aber machen wir uns nix vor: Wie schon bei der Geburt kommt auch in den ersten Wochen danach immer alles anders als man denkt. Aber mit einem Plan und ausreichend mentaler Vorbereitung lebt es sich wirklich leichter.

Ich kann euch daher nur empfehlen sich schon vor der Geburt mit der Kuschelzeit, mit dem Stillen, mit der nötigen Heilung und den körperlichen Veränderungen auseinander zu setzen. Wenn Du einen Partner oder Partnerin hast, dann macht ihr das am besten direkt zusammen. So ist allen klar was am wichtigsten ist. Auch deine Hormone machen jetzt eine Rolle rückwärts und emotionale Achterbahnfahrten wie zu Beginn der Schwangerschaft sind keine Seltenheit – da sind dann besser beide drauf vorbereitet.

Finger weg von Instagram im Wochenbett

Wochenbett ist Kennenlernzeit

Zu guter Letzt solltet ihr euch insbesondere beim ersten Kind von Influencern und Instagram fernhalten. Da kann noch so oft der Hashtag #realtalk oder #reallife dranhängen: Es ist ein Highlight-Reel. Eine kuratierte Sammlung an Ausschnitten, die (neben der manchmal erschreckenden Ausbeutung der Kinder als Requisite) vor allem zu einem führt: Unrealistischen Ansprüchen an sich selbst. Du musst und solltest diesen unrealistischen Erwartungen nicht hinterherlaufen und kannst all dieses unnötige Durcheinander und den Lärm beiseite legen, um dich wirklich auf das zu konzentrieren, was für Sie und Ihre Familie am wichtigsten ist. Ankommen.

Auch gut gemeinte Sprüche von Aussenstehenden müssen dich nicht interessieren. Mal davon abgesehen, dass diese meist die eigene Zeit im Wochenbett total verklären – insbesondere wenn es schon länger her ist. Wenn Oma also erzählt, dass ihre Kinder schnell durchschliefen oder nur alle 4 Stunden Stillen durften, stell die Ohren auf Durchzug. Im Wochenbett geht es um Dich, um dein Baby, darum dass ihr euch beide gut erholt und natürlich um Deine kleine Familie.

Habt ihr Kinder? Wie habt ihr das Wochenbett erlebt? Hattet ihr Hilfe, und seid ihr mental auf die Aufgabe gefasst gewesen die auf euch zu kam?

Author

36. Mama vom Mausebär. Weltenbummler, fest verankert in und um Köln. Crossfitter und Eishockeyspielerin. Ernährungs-Besserwisser.

4 Comments

  1. Liebe Katharina,

    ein sehr schöner Artikel rund um das Wochenbett. Ich bin damals da ziemlich blauäugig reingeschlittert und ich fand es auch schade, dass mir die Hebamme als Ansprechpartnerin oft gefehlt hat. Klar, sie war zwar da, aber sie hatte so viele Mütter zu betreuen, dass ich sie auch nicht immer behelligen wollte. Aber alles im Allen hatte ich Glück, dass das meiste wirklich reibungslos verlief. Und ich will ehrlich sein, zu Zeiten Coronas hätte ich jetzt kein Kind gebären wollen.

    Liebe Grüße
    Mo

  2. Das sind ja spannende Eindrücke, darüber musste ich mir bisher noch keine Gedanken machen.
    Ruhe sollte man sich auf jeden Fall gönnen um abschalten zu können und runter zufahren, bei den neuen Umständen.
    Liebe Grüße Melissa

  3. Die Zeit ist schon soooooo lange her, aber ich weiß noch, wie stressig sie damals war, weil ich in der Zeit auch viele Ärzte und Ämter abklappern musste – mit Baby im Gepäck. Meine damalige Hebamme hatte in den ersten Tagen mit mir gemeckert, weil ich mich nicht schone, aber selbst kam sie nur 3mal und war dann nicht mehr erreichbar, was mich bis heute noch ärgert! Auf jeden Fall sollte man die Zeitspanne nicht pauschalisieren! Jeder Mensch ist anders und braucht vielleicht mehr oder weniger Zeit, wieder halbwegs bei „normal“ anzukommen!

    Liebe Grüße
    Jana

  4. Ich habe 2 Kinder und ich habe die Zeit des Wochenbetts bei meinem 2. Kind (nur 23 Monate Unterschied) schwierig erlebt. Keinerlei Unterstützung und neben dem Neugeborenen und Haushalt auch noch ein 2jähriges. Ehrlich gesagt eine Horrorzeit für mich … aber wenn man keine Familie als Unterstützung hat, muss man auch alleine durch.

    lg
    Nena

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