Der Sommer ist da, und zwar mit extrem heißem Wetter im Gepäck. Heiße Tage sind anstrengend für den Körper – man wird faul und müde, und will eigentlich nur abhängen. Wenn es aber doch uns Erwachsenen schon so geht, was heißt dass dann für Babies und Kleinkinder?

Kinder reagieren stärker auf Hitze

Wie Erwachsene auch kann ein Kinderkörper über das Schwitzen den Wärmehaushalt, zumindest Teilweise, regulieren. Die überschüssige Wärme wird über die Haut abgedampft. Wird es jedoch besonders heiß ist wird es für den kleinen Körper zu anstrengend, da das Verhältnis zum Körper an sich haben Kinder eine größere Hautoberfläche als Erwachsene. Die „Kühlung“ aufrecht zu halten wird zu anstrengend – und wenn die Hitze nicht mehr abgegeben werden kann kollabiert der Körper. Das kann lebensbedrohlich sein.

Kleine Kinder sollten vor Hitze und direkter Sonne geschützt werden. Und zwar direkt am Körper als auch in der Umgebung. Was heißt das genau?

UV-Schutz Kleidung und Hut sind Pflicht

Das wichtigste Kleidungsstück für draußen ist im Sommer der Hut. Da Babies und Kleinkinder oft wenige und dünne Haare haben, sowie offene Fontanellen, ist die Gefahr eines Sonnenstichs bei Kindern wesentlich höher als bei Erwachsenen. Zugleich ist er gefährlicher.

Ein Sonnenstich (Insolation, Heliosis) entsteht durch lange andauernde direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf und den Nackenbereich. Verantwortlich für diese Schädigung ist der langwellige Teil der Sonnenstrahlung, also die Wärmestrahlung des Sonnenlichtes. Dieser führt zu einer Irritation der Hirnhaut und des Hirngewebes und zu einer Entzündungsreaktion, die in schweren Fällen in ein Hirnödem übergehen kann.[1] Somit ist ein Sonnenstich ein isolierter Hitzschlag des Kopfes und damit ein ausschließlich thermisches Problem. Die immer wieder auftauchende Erklärung, die Hirnhautreizung entstehe durch den UV-Anteil des Sonnenlichtes, ist nicht belegbar, da UV-Strahlung die Haut nicht durchdringt.[2]

Der Sonnenstich äußert sich durch Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit bis zum Erbrechen, Ohrgeräusche, Benommenheit, innere Unruhe, Abgeschlagenheit, erhöhten Pulsschlag und Nackenschmerzen bis hin zu Nackensteifigkeit (Meningismus). Die Körpertemperatur ist fast immer normal.[1] In schweren Verlaufsfällen kann es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit und zu Kreislaufversagen führen. Auch Todesfälle wurden bereits beschrieben.[1]

Einem Sonnenstich kann durch das Tragen einer hellen Kopfbedeckung vorgebeugt werden. Vor allem kleine Kinder sind durch den Sonnenstich gefährdet. Dazu tragen die Fontanellen sowie die spärliche Kopfbehaarung der ersten beiden Lebensjahre bei. Auch Träger einer Glatze oder einer Kurzhaarfrisur unterliegen einem erhöhten Risiko.[3]

Quelle: Wikipedia.de

In die Auswahl der Kopfbedeckung sollte durchaus etwas Geld und Zeit investiert werden, denn häufig sind die niedlichen Hüte sehr dick und somit im Hochsommer zu warm. Des Weiteren haben viele Hüte für Kinder keinen UV-Schutz, insbesondere nicht wenn sie nass sind oder kommen ohne Nackenschutz daher. Und zu guter letzt muss er noch auf den Kopf passen, evtl. mit Schleichen, damit Junior ihn nicht dauernd runter zerrt. Wir haben einen Sonnenhut von Schiesser der auch im Wasser sicher schützt.

Auch die Haut gilt es zu schützen. Babies und Kleinkinder haben noch keine vollausgebildete eigene UV-Schutzleistung und sind auf Unterstützung angewiesen. Ursprünglich für Wassersportler entwickelt, gibt es außerdem UV-Schutzkleidung mittlerweile auch für Kinder ab Größe 50. Wir haben diese hier, und ich kann sie sehr empfehlen. Der Vorteil gegenüber des reinen eincremens ist der höhere Lichtschutzfaktor, der außerdem auch bei Spiel, Sport und Wasser anhält und nicht mit der Zeit nachlässt.

Auch mit Schutzkleidung und Hut sollten Babies in den ersten 2-3 Lebensjahren direkte Sonneneinstrahlung meiden. Eine Strandmuschel oder ein Schirm können zusätzlich zu diesen Maßnahmen Schatten liefern. (Übrigens erreicht uns im Schatten immer noch genug Licht um Vitamin D zu bilden.)

Hitzestau vermeiden

Die Kleidung sollte bei heißem Wetter locker sitzen und luftig sein. So wird der Schweiß nach außen getragen und kühlt und es staut sich keine Hitze unter den Kleidungslagen.

Anders als wir Erwachsenen können gerade Babies nur schwierig mitteilen dass ihnen zu warm ist. Darum häufig die Nackenprobe machen. Wenn das Kind schwitzt nach Möglichkeit noch etwas ausziehen oder etwas luftigeres anziehen, oder an einen kühleren Ort gehen.

Gerade wenn die Nächte besonders warm sind – wie in einigen Teilen Deutschlands dieser Tage – sollte ein sehr leichter Sommerschlafsack verwendet werden (wenn es überhaupt einer Decke bedarf). Diesen gegebenenfalls unten ein paar Zentimeter offen lassen und eine Variante wählen der Träger etwas lockerer sitzen so dass an diesen Stellen warme Luft entweichen kann.

Wenn Kinder schwitzen brauchen sie, wie Erwachsene auch, mehr Flüssigkeit. Vollgestillte Babies sollten daher an heißen Tagen häufiger angelegt werden. Auch wenn immer nur kurz getrunken wird, ist die regelmäßige Flüssigkeitszufuhr wichtig. Älteren Kindern häufiger Wasser anbieten. Diese Kinder haben zwar vielleicht schon ein ganz gutes Gefühl für Durst, aber während des Spielens fällt dieses dann doch häufig der spannenden Umgebung zum Opfer. An einem normalen Tag ist das kein Problem, wenn viel geschwitzt wird sollten die Eltern das Trinken unterstützen.

Kinderwagen nicht abdecken

Hitzestaus können auch in kleineren Räumen entstehen. Dass man sein Kind bei Sonnenschein (und auch sonst eigentlich) nicht allein im Auto lassen sollte ist mittlerweile den allermeisten Menschen klar. Im Auto kann bei warmem Wetter oder Sonnenschein binnen weniger Minuten binnen weniger Minuten eine viel zu hohe Temperatur herrschen. Bereits wenige Minuten in einem sehr heißen Auto können für ein kleines Kind oder Baby den Tod bedeuten. Ich empfehle hierzu dieses Merkblatt der liliput-lounge (Quelle / Lizenz: Hitzeentwicklung im geschlossenen PKW nach A. Grundstein, Grafik: (CC BY 3.0 DE liliput-lounge.de)).

„Dass es gefährlich ist, Kinder im Auto zu lassen, ist lange bekannt -Und trotzdem passiert es noch immer, das ist tragisch. Teilweise werden die Kinder einfach im Wagen vergessen. Am in den meisten Fällen haben die Eltern ihr schlafendes Kind nicht wecken wollen und die Gefahr der Hitze im Wagen völlig unterschätzt.“

Dr. Grundstein, Quelle: www.liliput-lounge.de/hitzefalle

(Das ist übrigens ein Grund warum ich immer eine (weitere) Tür aufhabe wenn ich den Mausebär ins Auto setze oder hinausnehme… Mein Auto kann man abschließen wenn der Schlüssel noch drin liegt, oder es abschließen und dann mit der Handtasche zB den Schlüssel drinnen „noch mal kurz“ ablegen. Wenn man dann in Gedanken die Tür zu macht ist man ausgeschlossen. Meine Horrorvorstellung wenn das Kind darin sitzt. Wer ein Beispiel braucht kann sich hier durchlesen, wie ein 4-jähriges Kind nach gerade einmal 30min im Auto nicht mehr ansprechbar war – was so etwas mit einem Säugling machen kann, kann sich glaub ich jeder selbst ausmalen.)

Was viele nicht wissen: Solch eine Temperaturentwicklung gibt es nicht nur im Auto. Auch im Kinderwagen oder Fahrradanhänger kann es zu solchen Temperaturen kommen. Im Sommer sollte der Kinderwagen daher niemals mit einem Tuch, auch keinem leichten, abgedeckt werden. Um Schatten zu erzeugen gibt es spezielle Cover aus Mesh / Netz, die weiterhin Luft in den Kinderwagen lassen. Wer so etwas nicht hat, sollte dem Kind lieber einen Sonnenhut aufsetzen damit es Schatten im Gesicht hat oder sich ein schattiges Plätzchen auf dem Spielplatz suchen und erst dann weiter spazieren, wenn die Sonne sich etwas bewegt hat und so Schatten im Kinderwagen ist.

Mittagshitze meiden

In der Mittagszeit knallt die Sonne bekanntlich am stärksten – und da sie sehr hoch steht ist auch Schatten nur schwer zu finden. Wer kann sollte daher die Mittagshitze von ca. 11-14h meiden und sich besser in kühlen Räumen aufhalten.

Nachmittags kann man dann endlich ins kühle Nass oder im kühlen Wald einen schönen Spaziergang machen ohne sich brutzeln zu lassen.

Video

Zu guter Letzt möchte ich euch noch dieses Video ans Herz legen. Hier wird Hitzeeinwirkung auf ein alleingelassenes Kind sowie dessen Rettung nachgespielt. Es zeigt deutlich warum Warten im Auto so gefährlich sein kann:


Fußnoten:

  1. Kersten Enke, Andreas Flemming, Hans-Peter Hündorf, Peer G. Knacke, Roland Lipp, Peter Rupp: LPN3 Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin. 4. Auflage. Band 3: Schwerpunkt Traumatologie. Stumpf & Kossendey, Edewecht 2009, ISBN 978-3-938179-70-3, S. 203–204.
  2. Norbert Tiedt, Ulrich Zwiener: Taschenbuch der Pathophysiologie Volk und Gesundheit Berlin, Berlin 1988, ISBN 3-333-00157-8, S. 692 f.
  3. Sonnenstich, DRK

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Author

34. Mama vom Mausebär. Weltenbummler, fest verankert in Köln. Crossfitter und Eishockeyspieler. Ernährungs-Besserwisser.

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