Ich habe viele Bücher gelesen dieses Jahr und es waren auch mehrere Elternratgeber / Elternbücher dabei. Die, die man immer wieder empfohlen kriegt habe ich mittlerweile durch und ja, die waren alle okay. Aber so richtig gut fand ich bis dato eigentlich nur „Babyjahre“ von Remo Largo und Philippa Perry’s “Das Buch von dem Sie wünschten Ihre Eltern hätten es gelesen”. Das hat sich nun geändert. Und zwar mit gleich zwei Büchern die ich nun hier vorstellen werde: “Wild Child” und “Was es bedeutet Mutter zu werden”.

Zugegebenermaßen ist bei letzterem der Titel alles andere als Prägnant und Einprägsam. Das fand ich ja bereits bei Perrys Buch komisch. Aber vielleicht muss das so bei wissenschaftlich getriebenen Büchern, auch wenn sie total unterhaltsam sind!? Denn Abigail Tucker schreibt wirklich sehr unterhaltsam und zeigt mütterliche (und evolutionäre) Superkräfte auf, von denen die meisten von uns bis dato nichts gehört haben dürften. Oder wusstest Du, dass Mütter ein Leben lang Stammzellen ihrer Kinder in sich tragen die gezielt bei Erkrankungen der Mutter helfen können?

Wissenschaft lesbar und prägnant

Stilldemenz oder Nestbautrieb, plötzliche emotionale Ausbrüche und mehr – als werdende Mutter bekommt man viele Märchen und Fakten an den Kopf geschmissen. Abigail Tucker, gestandene Journalistin, wollte es alles etwas genauer wissen. Was ist Mythos und was Wahrheit, und was bitte hat sich die Natur dabei gedacht? So führt Tucker uns durch eine ganze Reihe von Forschungszentren wo sie mit vielen Wissenschaftlerinnen gesprochen hat. Sie möchte dabei dem ganzen einen Rahmen geben und verbindet was sich verbinden lässt – wenn am Ende doch auch klar ist, dass die Forschung hier noch ganz am Anfang steht. Mütter waren bisher kein besonders lukratives Forschungsobjekt, so scheint es.

Die Sprache ist klar, manchmal aber doch zu sehr Comedyspielball für Stereotype Witze. Den Werdegang – psychisch wie hormonell – zur Mutter, den ich auch in meinem Wochenbett Artikel beschreibe, nennt sie Mamamorphose; erwähnt darin aber dann dass Mamas zum Beispiel anhand der mit „Sabber gestylten Frisur“ zu erkennen sind. Solche Sprüche und Witze sind ja interessanterweise auch als Memes oder Zitate viel im Internet zu finden, gepostet von Frauen mit einem lustigen „Wer kennt es nicht…“ darunter. Hätte man sich dennoch kneifen können, denke ich. Immerhin ist es schön, dass die Wissenschaft sich mehr mit diesen Themen beschäftigt, das sollte in so einem Buch dann nicht ins lächerliche gezogen werden. Interessanter weise wird aber gleich neben dieser Sprüche fleissig gegendert („Biolog*innen“). Das ist mir in einem Buch das erste Mal aufgefallen.

Abigail Tucker

Besonders gut fand ich tatsächlich die letzten Kapitel des Buches. Die, in denen Tucker uns an ihrem Mama-sein teilhaben lässt. Sie spricht über ihre Depression nach der Geburt des dritten Kind, die schwere Erkrankung ihres Mannes zur selben Zeit, über Corona und was das mit vielen Müttern macht, sowie über die vierte und letzte Geburt an der sie dank „Kaisergeburt“ wesentlich mehr teilhaben konnte als an allen vorher.

Alles in allem ein leichte Lektüre die – auch wenn die Wissenschaftlerinnen immer wieder zur Vorsicht vor zu großen Statements mahnen – die Müttern ein bisschen näher bringt, dass sich doch einiges mehr im Körper verändert als man meint.

„Was es bedeutet, Mutter zu werden“ von Abigail Tucker hat 412 Seiten (mit Quellenliste) ist im Ullstein extra Verlag erschienen und kostet 17,99€. Hier kaufen. Das Buch wurde mir vom Verlag zu Verfügung gestellt.

Sei wild, frech und wunderbar

Das bereits genannte zweite Buch, das ich heute vorstellen möchte, ist „Wild Child“ von Eliane Retz und Christiane Stella Bongertz.

Auch dieses Buch hat ein im Anhang ein enormes Literaturverzeichnis zu den zugehörigen Studien – und auch dieses Buch schafft es, die Erkenntnisse daraus leicht lesbar und versöhnlich rüberzubringen. Versöhnlich? Ja, wirklich. Denn es geht um bindungsorientierte Erziehung und Gelassenheit der Eltern, aber auch darum wie es ist, wenn man eben mal nicht gelassen ist.

Bindungsorientierte Elternschaft bedeutet nicht, dass jede Situation mit dem Kind von absoluter Feinfühligkeit geprägt sein muss. Vielmehr ist es wichtig, sich bodenständig und voller Pragmatismus mit den täglichen Anforderungen auseinanderzusetzen und sich dabei zu sagen: Das können wir miteinander lösen!

Wild Child, erschienen im Piper Verlag, S. 93

Ein Handbuch für alle Lebenslagen

Das coole an dem Buch -neben dem Inhalt – ist der Aufbau. Denn es ist wirklich ein Handbuch (etwas das ich an Babyjahre ja auch so gefeiert habe). Während am Anfang noch eine eher allgemeine Einleitung zu bindungsorientierter Erziehung steht, geht es dann über in klassische Situationen aus dem Familienleben und wie man diese meistern kann. Tatsächlich steht sogar die Lesedauer dabei, und meist ist diese kurz genug um nach einem anstrengenden Tag mit großer Auseinandersetzung trotzdem nochmal eben nachzuschlagen und Tipps fürs nächste Mal zu finden. (Beispiel: „Warum Strafen grundsätzlich eine schlechte Idee sind“, Lesedauer 4 Minuten!)

Von Sorgen der Eltern („Mein Kind erzählt nie aus der KiTa“, „Mein Kind sagt nicht Danke“, „Mein Kind sagt Pipi, Kaka, oder Doofe Mama“) bis hin zum Verhalten der Eltern gegenüber dem Kind (Konsequenz, Strafen, Laut werden, etc.) wird wirklich alles abgedeckt. Retz und Bongertz schaffen es dabei nicht mit dem mahnenden Zeigefinger aus dem Buch heraus zu wedeln sondern erklären auch Anhand von Studienergebnissen warum manche Verhaltensweisen zu gewünschten oder eben nicht gewünschten Reaktionen führen und wie man dies ändern kann, wenn gewollt.

Wild Child heißt das Buch übrigens nicht, weil es nur für Eltern von Kindern außer Rand und Band gedacht ist. Auch ruhige Kinder sind „wilde“ Kinder. Denn es geht hier darum Kinder nicht zu Robotern zu erziehen sondern sie so zu lassen wie sie sind – wild und unverfälscht – und dennoch die Konflikte liebevoll zu lösen und das Kind dabei ernst zu nehmen. Denn im Familienalltag ist Bindung unsere Superkraft, die uns auch bei räumlicher Trennung, Streit oder Krankheit zusammenhält.

Ich habe das Buch nun schon fast 3 Monate und habe es tatsächlich nicht klassisch am Stück durchgelesen sondern immer wieder reingeschaut. Nun überlege ich, es mir auch noch zu kaufen – denn ich muss das Bibliotheksexemplar nun wirklich zurück geben. Schade!

„Wild Child“ ist im Piper Verlag erschienen, ist 384 Seiten dick (mit Quellenverzeichnis) und kostet 13,99€. Hier kaufen.


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Author

36. Mama vom Mausebär. Weltenbummler, fest verankert in und um Köln. Crossfitter und Eishockeyspielerin. Ernährungs-Besserwisser.

1 Comment

  1. Damals, als ich schwanger war, hatte ich mir auch das ein oder andere Elternbuch als Lektrüre auf den Nachtschrank gelegt! Welche das waren, kann ich dir gar nicht mehr sagen! Das ist zu lange her! Aber das Buch „Wild Child“ klingt interessant! Vor allem der Teil über die Kindersprache. Vielleicht schaue ich da auch mal rein!

    Liebe Grüße
    Jana

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