Aus gegebenem Anlass (und vielen Facebook-Diskussionen) beglücke ich euch nun mit diesem kurzen wie speziellen Post zum Thema Erdbeeren und Babies.

Es ist Juni – Erdbeersaison in Deutschland. Und seien wir doch mal ehrlich: Keine Erdbeere schmeckt so gut, wie die frisch gepflückten vom Feld im Nachbardorf. Während die Landwirtschaft es in Zeiten des Superfood- und Smoothie-Booms der letzten Jahre die Zucht von Beeren zu perfektionieren, sind die knubbeligen kleinen Erdbeeren irgendwie vergessen worden. Himbeeren und Blaubeeren gibt es en masse – gute Erdbeeren muss man suchen.

Und wenn man endlich super gute Erdbeeren gefunden hat, dann will man sie natürlich mit allen Familienmitgliedern genießen – auch mit den Kleinsten. Aber darf man das? War da nicht was mit Erdbeeren und Nüssen und sind Nüsse nicht gefährlich? Ach wäre doch das oblatendünne Eis des Halbwissens nicht so heimtückisch…

Sind Erdbeeren Nüsse?

Fangen wir erstmal mit dem heißesten Diskussionspunkt an: Sind Erdbeeren Nüsse? Die Antwort ist nein. Hier kommt aber der Clou: Sind Erdbeeren also Beeren? Auch nein.

Erdbeeren sind Scheinfrüchte, die zu den Sammelnussfrüchten gehören. In Sammelnussfrucht steckt Nuss – daher die Konfusion. Allerdings haben Erdbeeren nichts von dem mit der gemeinen Nuss gemeinsam, was die Nuss in jungen Jahren verbietet. Nüsse sind sehr hart und können auch in kleinen Stückchen schnell eingeatmet / verschluckt aber nur schwer wieder abgehustet werden. Ihre kleinen Teile stecken dann in der Lunge fest und können dort nicht abgebaut werden – was ein großes Gesundheitsrisiko ist. Hinzu kommt dass zB. Haselnüssen rund sind, was in der Luftröhre zu einem exakten Verschluss führen kann (wie bei Weintrauben auch), so dass das Kind keine Luft holen kann – es bekommt also weder Sauerstoff noch kann es mit der Luft abhusten. Auf Erdbeeren trifft davon nichts zu – und gemahlene Nüsse in Kuchen oder Nussmuß auf dem Brot sind ebenfalls ok..

Die „Nüsse“ oder eigentlichen Früchte der Erdbeerpflanze sind nicht die roten, saftigen Erdbeeren sondern die kleinen grünen Punkte darauf. Da Erdbeeren im allgemeinen weich sind und die Kerne sehr klein, ist die Verschluckungs- und Verletzungsgefahr bei Erdbeeren nicht großer als bei anderen weichen Lebensmitteln. Das macht die Erdbeere durchaus BLW-tauglich.

Allein gelassen werden sollte ein Baby natürlich weder mit Erdbeeren noch mit anderen Lebensmitteln. Die Gefahr dass ein Kleinkind sich verschluckt ist hoch und es sollte im Notfall immer Hilfe da sein, falls es nicht allein abhusten kann (meistens können die Kinder das aber Gott sei Dank.) (Über Verschluckungsgefahr vor allem bei Würstchen habe ich auch hier im BLW Artikel geschrieben.)

Was ist mit Allergien?

Erdbeeren schmecken auch Babies am besten direkt vom Feld.
Erdbeeren schmecken auch Babies am besten direkt vom Feld.

Auf facebook bin ich an dieser Stelle dann von den Ursprungs-Kommentierern („Wie kannst Du einem Kind nur Erdbeeren geben, das dürfen die nicht, das sind Nüsse!!!11!1!!) darauf hingewiesen worden dass Erdbeeren ja auch Allergien begünstigen würden (und überhaupt!). Was ist da dran?

Erdbeeren (und auch Himbeeren oder Äpfeln) gehören tatsächlich zu den Früchten auf die häufiger mit allergischen Reaktionen wie Ausschlag, Niesen oder gar geschwollener Zunge reagiert wird. In Erdbeeren stecken zum Beispiel bestimmte Eiweißstoffe die Birkenpollen ähneln. Bei gesunden, nicht allergischen Kindern können Erdbeeren aber nicht plötzlich Allergien auslösen.

Bei der Beikosteinführung gilt grundsätzlich: Immer nur ein neues Lebensmittel einführen (sonst weiß man im Notfall nicht was es war) und immer „unter Beobachtung“ – sprich, es sollte jemand dabei sein und am besten testet man Mittags damit man das Kind auch noch ein paar weitere Stunden im Auge hat.

Wenn ihr Kind bereits unter einer Allergie leidet – vielleicht sogar unter mehreren – oder Allergien in der Familie häufig vorkommen („allergiegefährdet“), dann sind Erdbeeren vielleicht nicht die richtige Wahl. Dann sollte dies aber dringend mit dem Kinderarzt besprochen werden, da es noch viele weitere Lebensmittel gibt die bekannt sind Allergien auszulösen (zb. Nüsse, Hühnerei, Soja – letzteres ist aber für Kinder sowieso nicht geeignet).

Erdbeeren können also gegessen werden. Wie bei allen Früchten gilt: Testen und erstmal in Maßen. Die Säure kann einen wunden Popo verursachen, muss aber nicht sein. Unser Mausebär isst Erdbeeren fast täglich, und wenn sie sieht das wir welche haben isst sie auch nichts anderes mehr. Neben pur übrigens am liebsten nach diesem Rezept als Apfel-Erdbeer-Brei bzw. Quetschie.

Allergien vorbeugen

Neueren Studien nach ist es tatsächlich sinnvoll bereits im Beikostalter möglichst viele verschieden Lebensmittel einzuführen um Allergien vorzubeugen.

Laut DAAB sind „strikte Diäten ohne allergieauslösende Lebensmittel wie Milch, Hühnerei, Fisch oder Nüsse keine sinnvolle Maßnahme zur Allergieprävention während  Schwangerschaft, Stillzeit und Beikosteinführung. Strikte Diäten schränken zudem die Lebensmittelauswahl für eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung unnötig ein.“

Mit der Beikost beginnt dem aktuellen Wissenschaftsstand nach das Training des Immunsystems, unabhängig davon, ob die ersten Nahrungsmittel typische Allergene wie Ei, Apfel oder Weizen sind – oder eben nicht. Jedoch ist Abwechslung im Speiseplan ein wichtiger Faktor. Wichtig ist, dass das Kind die Reifezeichen erfüllt damit es auch wirklich Beikost essen darf.

Übrigens wurde herausgefunden dass der Verzehr von Fisch während der Schwangerschaft, Stillzeit und im Rahmen der Beikost Allergieentwicklung vorbeugen kann. Schadstoffarmen Fisch sollte sollte es daher am besten mindestens einmal die Woche für Mama und Baby geben – den niemand wird als Allergiker geboren. Auch wenn die Predisposition in der Familien läuft, sollte man doch alle vorbeugenden Mittel ausschöpfen, findet ihr nicht? Also ran an den Lachs – zum Beispiel mit diesem leckeren Süßkartoffel-Lachs-Brei!

Weitere Artikel zum Thema Beikost findest Du hier.

Author

34. Mama vom Mausebär. Weltenbummler, fest verankert in Köln. Crossfitter und Eishockeyspieler. Ernährungs-Besserwisser.

2 Comments

  1. Hallo Katharina,
    danke für den interessanten Text. Hast du eine Quellenangabe dazu, dass Fischverzehr das Allergierisiko senkt? Dazu würde ich gerne etwas mehr erfahren.
    Danke!
    Maria

    • Hallo Maria,
      zum einen wird es auf der Seite DAAB erwähnt, die ich im Artikel verlinkt habe. Wenn Du tiefergehende Quellen lesen möchtest, würde ich Dir auch folgende Studien und Reviews ans Herz legen (und pubmed insgesamt, da findet man echt fast alles):
      – Can Early Omega-3 Fatty Acid Exposure Reduce Risk of Childhood Allergic Disease? (link)
      – Atopy Risk in Infants and Children in Relation
      to Early Exposure to Fish, Oily Fish, or Long-Chain Omega-3 Fatty Acids: A Systematic Review (link)
      – Late introduction of fish and eggs is associated with increased risk of allergy development – results from the FARMFLORA birth cohort (link)

      Ich hoffe die Links helfen Dir weiter. Vielleicht sollte ich dazu noch einen eigenen Artikel verfassen 🙂
      LG, Katharina

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