In meinem Bestreben dieses Jahr 30 Bücher zu lesen (mehr dazu hier in der Bücher Challenge) bin ich nunmehr bei ca. der Hälfte angelangt. Immerhin, es ist ja auch schon September… Eins der aktuellen Bücher ist mal wieder ein “schlaues” Sachbuch, das ich euch gerne vorstellen möchte. “Die Kunst des Digitalen Lebens” von Rolf Dobelli.

Pflichtinformation: Ich wurde für diese Buchrezension nicht bezahlt, habe das Buch aber kostenlos vom Piper Verlag – ohne jegliche Verpflichtung – zu Verfügung gestellt bekommen. Danke dafür!

Die Zeit die man scrollt

Wenn ich ehrlich bin, verbringe ich ziemlich viel Zeit in der digitalen Welt. Ich arbeite am PC, blogge am PC, mache digitale Fotos und digitale Einkaufslisten, halte per WhatsApp und Facebook Kontakt zu Freunden in aller Welt und verfolge deren Urlaube auf Instagram. Wie viel ist zuviel? Und wie lebe ich dem Mausebär einen gesunden Umgang damit vor? Diese Fragen ließen mich zu dem neuen Buch von Rolf Dobelli greifen.

Erst danach ist mir der Untertitel aufgefallen: “Wie sie auf News verzichten und die Informationsflut meistern”. Ach, moment – geht es also gar nicht um Facebook, Instagram und Co? Jein. Die Frage ist, wie man für sich selbst News definiert. Ich habe also direkt zu Beginn des Buches entschieden, dass für mich auch Status Updates von Freunden – sei es in Bild oder Schriftform und in jeglichen Apps – dazu gehören sollen. Das ist wichtig, denn dann ergeben die dort vorgeschlagenen Tipps und Kniffe auch wieder mehr Sinn. Würde ich nur die klassischen Nachrichten so einsortieren, hätte mich das Buch nicht sonderlich weitergebracht, denn auf Clickbait und sich neu-ladende Startseiten von Spiegel und Co gebe ich schon lange nichts mehr. Ich suche gezielt nach klassischen Nachrichten wenn ich diese brauche.

News-Verzicht für das persönliche Glück

„Die News-Industrie ist der Blinddarm einer Gesellschaft – permanent entzündet, aber ohne Funktion. Am besten, man schneidet ihn weg“

Rolf Dobelli

Wo Dobelli meiner Meinung nach absolut Recht hat ist, dass News-Häppchen wie wir sie leider zu oft konsumieren uns persönlich aber auch als Gesellschaft nicht weiterbringen. Das gehopse von Überschrift A zu Ferienbild B strengt mein Gehirn nicht sonderlich an, auch wenn das endlose scrollen durchaus befriedigend ist. Es gibt immer noch mehr, ich muss nur weiter scrollen, da kommt noch was, vielleicht doch noch was wichtiges, wichtiger vielleicht als das was ich eigentlich grad machen wollte – aber was war das überhaupt noch gleich?!

Das man deswegen, wie in “Die Kunst des Digitalen Lebens” vorgeschlagen, komplett auf News verzichten muss, sehe ich nicht so. Denn auch die gute, alte, sehr kompakte Tagesschau (oder besser Tagesthemen / Heute Journal) liefern News, aber auf eine Art und Weise die es doch ermöglicht besser das große Ganze um einen herum zu verstehen. Und auch mitreden können ist eine (leider?) nicht zu vernachlässigende Komponente in unserem Sozialgefüge.

Eine Beispiel-Rechnung

Wenn ich zwei Stunden meines Tages damit verbringe Überschriften in der Apple News Widget zu lesen, Status Mittelungen bei WhatsApp anzuschauen, durch Facebook zu scrollen und Instagram zu begutachten, dann habe ich vermutlich am Ende der zwei Stunden nichts gelernt. Keine großen politischen oder historischen Zusammenhänge, keine Gedankenblitze die für meine Arbeit wichtig sind, vermutlich nichtmal etwas tiefgründiges über meine Freunde was uns beim nächsten Treffen in ein gutes Gespräch leiten oder mir Ideen für ein Geburtstagsgeschenk geben würde.

Ich hätte in den zwei Stunden aber auch ein gutes Buch lesen können. Oder einen fundierten, toll recherchierten, total langen Artikel im Economist / National Geographic / Blog meines Vertrauens. Und dann hätten die zwei Stunden vielleicht nachhaltig etwas für meine persönliche Entwicklung getan.

Zwei Stunden? Na die zwei Stunden sind dann doch auch Wurscht, denkt man sich. Aber wenn man es hoch rechnet wird es doch erschreckend. Zwei Stunden am Tag sind 60 Stunden im Monat. Das sind mehr als 2 Tage – wenn man nur die Zeit nimmt, die wir nicht schlafen vielleicht sogar drei. 3! Im Monat! Das sind 3*12=36 Wachtage im Jahr, also mehr als ein “wacher” Monat im Jahr. Wenn wir vorsichtig mit 2 Tagen rechnen immerhin noch 24, das ist der komplette Jahresurlaub von vielen Menschen.

Manchmal muss es eben von außen kommen

“Wer konsumiert kann nicht kreieren”, sagt Dobelli. Ob das direkt aus seiner Feder stammt weiß ich nicht, aber es ist wahr. Und wenn wir dem – wie man im Englischen so schön sagt – “mindless scrolling” frönen können wir nicht selbst denken. Schlimmer noch, die kurzen Schnipsel lenken ab und das mangelnde Verständnis der Informationsflut verleitet einen dazu sich mit der Überschrift zufrieden zu geben und sich den Rest selbst zu denken. Und was macht der Mensch bei wenig Information? Er füllt sie mit möglichst plausiblen eigenen Ideen, die oft weit an der Wahrheit vorbeischießen. (Siehe auch die aktuelle Welle an Verschwörungstheorien, die sich mir nur dadurch erschließen, dass Menschen in einer sie überfordernden Welt und immensen Informationslage versuchen sich einen Reim auf Dinge zu machen. Und da lieber die große Weltverschwörung sehen, weil einfacher, als den Zufall und ein unsichtbares Virus. Aber ich schweife ab…)

Was eigentlich so logisch ist, muss einem manchmal von außen erst vorgerechnet werden. Dafür spitzt Dobelli sicher auch einiges zu, und gerade sein radikaler 30 Tage Plan wird für wenige umsetzbar sein… Aber: Er zeigt eben auch, dass News eher betäuben als uns weiterzubringen, und dass ein persönlicher Verzicht nicht das Ende bedeutet. Das ganze macht der Autor in kurzen, prägnanten Sätzen, schnell gelesenen Kapiteln mit TLDR Zusammenfassung am Ende, und die Illustrationen sind auch ansprechend.

Was ich daraus mitnehme

Im Grunde hat mir Dobelli mir in “Die Kunst des Digitalen Lebens” nichts Neues erzählt. Ich vermeide seit langem das News Hopping, bin aber bei Facebook, instagram und WhatsApp bei weitem noch nicht ganz weg vom Scrolling-Konsum. Obwohl ich es manchmal gern wäre, denn die Zeit pro Tag ist gerade als Mama doch begrenzt und man will sich ja aufs wesentliche konzentrieren. Instagram ist aber andererseits auch manchmal mein “Feierabendbier” und so ganz darauf verzichten mag ich auch nicht.

Dennoch hat mich diese Rechnung nochmal ordentlich aufgerüttelt. Ich werde mir diese also nun öfter vorrechnen, denn es hilft mir, mich selbst zu hinterfragen. Die Angst, etwas zu verpassen, habe ich schon lange nicht mehr.

Im Grunde, so sagt es Wolfgang Tischer vom Literaturcafé ganz richtig, ist das Buch ein Plädoyer für Reportagen und gute Bücher. Und das finde ich top.

Das Buch ist im Piper Verlag erschienen und kostet als Hardcover ca. 20€. Das Buch ist auch bei Audible verfügbar und kann über ein kostenloses Probeabo angehört werden. (Achtung: Amazon Prime Mitglieder kriegen sogar 2 Hörbücher im Probemonat geschenkt, dafür muss man aber diesen Link nehmen.)


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Author

34. Mama vom Mausebär. Weltenbummler, fest verankert in Köln. Crossfitter und Eishockeyspieler. Ernährungs-Besserwisser.

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