Wenn die Kleinen immer wieder ihren reinen Gemüsebrei verschmähen oder das durchgekochte Brokkoliröschen so gar nicht appetitlich finden, kann es verlockend erscheinen etwas Salz zuzugeben, in der Hoffnung, dass es so besser schmeckt. Salz in der Beikost? Warum das nicht unbedingt eine gute Idee ist und warum selbst Brot oder Kräcker in Summe zuviel des Guten sein können, das erfährst du in diesem Artikel.

Wieso braucht der Mensch Salz?

Um zu verstehen, warum wir heute so beharrlich darauf achten müssen, das Salzfass bei unseren Kleinsten in der Beikost geschlossen zu halten, lohnt sich ein Blick zurück in unsere Evolutionsgeschichte. Salz, chemisch Natriumchlorid, ist für den menschlichen Körper absolut lebensnotwendig. Natrium spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Wasserhaushalts, der Reizleitung der Nerven und der Muskelarbeit. Da unser Körper Salz nicht selbst herstellen kann, hat die Natur uns mit einem „Salzhunger“ ausgestattet – einem biologischen Belohnungssystem, das uns dazu antreibt, diese wertvolle Ressource instinktiv zu suchen und zu konsumieren.

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Über den Großteil der Menschheitsgeschichte war Salz jedoch ein extrem knappes Gut. In der Ära der Jäger und Sammler stammte die Natriumaufnahme fast ausschließlich aus tierischen Quellen, während pflanzliche Nahrung kaum Salz lieferte. Schätzungen gehen davon aus, dass unsere Vorfahren weniger als ein Gramm Salz pro Tag zu sich nahmen. Diese chronische Knappheit führte dazu, dass der menschliche Organismus darauf optimiert wurde, Salz hocheffizient im Körper zu halten und jede Gelegenheit zum Konsum zu nutzen. Salz war buchstäblich das „weiße Gold“, so wertvoll, dass es als Zahlungsmittel diente – woran uns das Wort „Salär“ (vom lateinischen salarium) bis heute erinnert.

Vom Luxusgut zum versteckten Massenprodukt

Der radikale Wendepunkt kam mit der Industrialisierung und der modernen Bergbautechnik. Was Jahrtausende lang mühsam aus Meerwasser gewonnen oder in tiefen Stollen geschlagen wurde, wurde plötzlich zum billigen Massenprodukt. Mit der Verfügbarkeit änderte sich auch die Funktion: Salz wurde zum wichtigsten Konservierungsmittel der aufstrebenden Lebensmittelindustrie. Bevor es Kühlschränke gab, war Pökeln die einzige Möglichkeit, Fleisch und Fisch über lange Zeit haltbar zu machen. Damit begann eine schleichende Gewöhnung unseres Gaumens an Konzentrationen, die in der freien Natur niemals vorkommen würden.

Heute finden wir uns in einer paradoxen Situation wieder: Unser genetisches Programm schreit immer noch „Zugreifen!“, sobald wir Salz schmecken, aber unsere Umwelt ist damit überflutet. In der modernen Lebensmittelproduktion wird Salz längst nicht mehr nur zur Haltbarkeit eingesetzt, sondern als billigster Geschmacksträger überhaupt. Es übertönt die faden Aromen hochverarbeiteter Rohstoffe und regt den Appetit an. Die Lebensmittelindustrie nutzt dabei den sogenannten „Bliss Point“ – ein präzise kalkuliertes Verhältnis von Salz, Zucker und Fett, das unser Gehirn dazu veranlasst, immer weiter zu essen, selbst wenn wir längst satt sind.

Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht das Ausmaß: Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Erwachsene maximal 5 Gramm Salz pro Tag empfiehlt, liegt der tatsächliche Konsum in Deutschland oft bei 8 bis 10 Gramm. Das Problem ist, dass etwa 75 % dieser Menge bereits in verarbeiteten Produkten wie Brot, Käse, Wurst oder Fertiggerichten „versteckt“ sind. Wir haben die Kontrolle über unsere Salzaufnahme weitgehend an die Industrie abgegeben. Für unseren erwachsenen Körper ist das eine Belastung – für das noch unreife System eines Säuglings hingegen ist es eine massive Überforderung.

Genau hier schließt sich der Kreis zu unserer Verantwortung in der Beikostzeit. Wenn wir unsere Babys an den Familientisch holen, treffen Jahrtausende alte Überlebensinstinkte auf eine moderne Überflussgesellschaft. Da die Nieren eines Babys die hohen Salzmengen noch nicht filtern können, ist die historische Vorliebe für Salz in der heutigen Welt eine echte Gefahr. Indem wir in den ersten Lebensjahren konsequent auf zugesetztes Salz verzichten, schützen wir nicht nur die Organe unserer Kinder, sondern bewahren ihnen auch die Fähigkeit, den natürlichen Eigengeschmack von Lebensmitteln unverfälscht wahrzunehmen – die beste Basis für ein gesundes Essverhalten bis ins Erwachsenenalter.

Wieviel Salz brauchen Kinder eigentlich?

Die ersten 6 Monate bekommen Säuglinge genug Mineralien (inklusive Natriumchlorid, dem Hauptbestandteil von Speisesalz) durch die Muttermilch oder Flaschennahrung / Pre-Nahrung. Von 6 bis 12 Monaten reicht weniger als 1g Speisesalz pro Tag und danach sollten es bis etwa zum dritten Lebensjahr nicht mehr als 2g pro Tag sein. Salz in der Beikost ist also knapp zu bemessen.

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Der Nationale Gesundheitsdienst in Großbritannien hat eine genaue – aber relativ laxe – Empfehlung herausgegeben und empfiehlt für ältere Kinder:

  • zwischen 4 bis 6 Jahre nicht mehr als 3g Speisesalz pro Tag 
  • zwischen 7 bis 10 Jahre nicht mehr als 5g pro Tag
  • für Kinder über 11 Jahren nicht mehr als 6g pro Tag (ungefähr ein gestrichener Teelöffel)

Die Weltgesundheitsorganisation hingegen ist, wie oben erwähnt dagegen noch etwas strenger und empfiehlt selbst für Erwachsene nicht mehr als 5g Speisesalz pro Tag und für Kindern entsprechend noch weniger. Die nur Großbritannien aber solche genauen Empfehlungen für Kinder gibt, können wir uns daran am Besten – mit etwas Abweichung nach unten – orientieren.

Bei Babys sollte sich strikt an die Regeln gehalten werden

wieviel Salz für babies? Salz in der Beikost ist keine gute Idee.
Pommes sind nicht gut geeignet für Babies.

Ein paar Gramm mehr oder weniger werden doch bestimmt nicht so tragisch sein? Leider doch! Salz in der Beikost ist keine Frage des Geschmacks. Die Nieren von Babys sind noch nicht weit genug entwickelt um überschüssiges Salz zu filtern. Zu viel Salz führt nachweislich zu erhöhtem Blutdruck in Babys und Kleinkindern. Außerdem wird das Risiko für Herz-Kreislauf Erkrankungen, Osteoporose und Übergewicht im späteren Leben erhöht. Kinder die an höhere Mengen Salz gewöhnt sind, greifen später im Leben eher zu salzhaltigen Fertiggerichten und Snacks, statt zu Lebensmitteln mit wenig Salz, die aber nahrhafter sind.

Die Vorliebe für Salz ist erlernt, daher ist es am besten von Anfang an die Menge an Salz in der Beikost niedrig zu halten, damit die Kleinen sich nicht daran gewöhnen. Leider ist gerade die Zeit, wenn die Kleinen mit Beikost anfangen, die Zeit in der man leicht unterschätzt wieviel Salz die Kinder zu sich nehmen, da der Salzgehalt mancher Lebensmittel leicht unterschätzt wird. Ein Gramm ist schnell erreicht.

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Gerade beim Baby-Led Weaning ist das Motto möglichst viele Geschmäcker und neue Lebensmittel kennenzulernen und vom Tisch mitzuessen. Daher ist es natürlich absolut in Ordnung hin- und wieder kleine Mengen an gesalzenen Lebensmitteln zu geben, aber die Gewohnheit für salzige Snacks sollte eben nicht zu einer Gewohnheit werden und sich ins Kleinkindalter fortsetzen.

Wieviel Salz steckt in Lebensmitteln?

Viele Lebensmittel enthalten überraschend viel Salz. Hier ein paar salzige Beispiele – alle Angaben sind g pro 100g des Lebensmittels:

  • Parmesan       1,76g
  • Fleischwurst   2,07g
  • Cornflakes       2,29g
  • Gouda             2,40g
  • Schmelzkäse   3,15g
  • Salami             3,15g 
  • Ketchup          3,25g 
  • Salzstangen    4,48g

Oder an Beispielen aus dem Alltag:

  • 3 Scheiben Toastbrot enthalten 1,2g Salz (ich backe daher dieses Babybrot)
  • 2 fertige Kartoffelknödel enthalten 2,4g Salz
  • 1 Tiefkühlpizza mit Salami enthält 5g Salz (also bereits den empfohlenen Tagesbedarf eines Erwachsenen)

Besonders interessant ist es auch den Salzgehalt von verarbeiteten im Vergleich zu unverarbeiteten Lebensmitteln anzuschauen – Wer Salz in der Beikost vermeiden will, sollte die Finger von verarbeiteten, nicht explizit für Babies ausgewiesenen Lebensmitteln lassen.:

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LebensmittelArt der VerarbeitungNatriumchlorid (mg/100g)
KichererbsenGetrocknete Kichererbsen, in Wasser gekocht 5mg
Aus der Dose220mg
ErbsenFrisch, in Wasser gekocht <1mg
Aus der Dose250mg
PommesKartoffeln selbst frittiert12mg
TK-Pommes im Backofen53mg
LachsFrisch, gedünstet110mg
Geräuchert1880
Fischstäbchen (TK)350

Salzarm kochen für Babies

wieviel Salz für babies?

Tipps zur Kontrolle von Salz in der Beikost

Die folgenden Tipps können helfen die Menge an Salz in der Beikost und generell im Essen zu kontrollieren:

  • Speisen nicht zusätzlich salzen – Über die Beikost nehmen Babies und Kleinkinder schon genug Salz zu sich.
  • Selbst Kochen – statt Salz können Gewürze und Kräuter als Geschmacksverstärker benutzt werden. Eine selbstgemachte Gemüsebrühe enthält garantiert weniger Salz als fertige Brühwürfel. Erfahre hier bei Debbi, ab wann Babys welche Gewürze essen dürfen.
  • Frische Zutaten statt verarbeitete Lebensmittel – fast alle verarbeiteten Lebensmittel enthalten Salz und meistens auch noch zu viel davon. Ein Erwachsener nimmt 70 bis 80% vom täglichen Salzpensum durch verarbeitete Lebensmittel auf (vor allem durch Brot, Fleisch, Wurst und Käse). Daher ist es besser mit so vielen frischen und rohen Zutaten wie möglich zu kochen. 
  • Fertiggerichte so selten wie möglich – Nicht speziell für Babies ausgezeichnete Fertiggerichte sind für Babies nicht geeignet. Diese enthalten nicht nur zu viel Salz, selbst für Erwachsene, sondern auch viele Kalorien (oft hoher Zuckergehalt) und sind dabei weniger nahrhaft.
  • Zutatenlisten lesen – gerade Lebensmittel für Kleinkinder können zwar speziell für Kinder vermarket sein, aber dennoch große Mengen an Salz enthalten. Auch Gemüse oder Hülsenfrüchte aus der Dose enthalten oft mehr Salz als die frische, tiefgefrorene oder getrocknete Variante. Wenn man doch Dosen gekauft hat, sollte man diese gut mit Wasser abspülen bevor man sie weiter verarbeitet.
  • Auf Kohlenhydrate achten – Brot, Brötchen, Kräcker und auch süße Kekse enthalten große Mengen an Salz (Backpulver und Natron sind ebenfalls Natriumsalze), daher empfiehlt es sich nicht zu viel davon zu geben und öfter Nudeln, Reis und Kartoffeln auf dem Speiseplan zu haben.
  • Kein Salz ins Wasser – beim Kochen von Pasta, Reis und Kartoffeln kann man das Salz im Wasser weglassen oder die Lebensmittel nach dem Kochen kräftig abspülen (das funktioniert zB. bei Kartoffeln)
  • Abgekochtes Leitungswasser statt Mineralwasser – auch hier kann man beim Blick auf das Etikett sehen, dass manches abgepacktes Wasser viel Salz enthält. Da ist natriumarmes Mineralwasser oder Leitungswasser die bessere Wahl.
  • Die Erwachsenen am Tisch können nachsalzen. Wir haben immer eine schöne Salz- und Pfeffermühle parat stehen. 
Salz in der Beikost: Wann wird es gefährlich? Baby, Beikost, blw, Ernährung
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Mama von Mausebär & Hasenkind Weltenbummler, fest verankert in und um Köln. Im Herzen weiterhin Kanadierin, Spanierin und Brasilianerin. Crossfitter, Gewichtheberin und Eishockeyspielerin. Ernährungs-Besserwisser.

2 Comments

  1. Dass viel Salz an sich schädlich ist, wusste ich schon, aber nicht in dem Ausmaße! Die minimalen Grammzahlen sind sicher schnell erreicht, wenn man da nicht aufpasst! Salz ist ja in so vielen Lebensmitteln drin und in meinem Elternhaus war es auch Gang und Gebe, hier und da noch nachzusalzen! Deshalb glaub ich dir gern, dass hoher Salzkonsum anerzogen ist! Ein bisschen „salziger“ schmeckt es mir nämlich leider auch besser!

    Liebe Grüße
    Jana

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