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Eigentlich war doch alles super. Ja, es war wenig Schlaf – aber es war berechenbar. Es wurde nicht gekämpft. Aber dann kam der 4. (fast 5.) Monat daher und mit ihm der plötzliche Schlafrückgang. Ein Phänomen dass ich bisher nur aus Kanada kannte (und deshalb für Quatsch hielt – wieso sollte das nur Kindern in Kanada passieren) hat zugeschlagen. Es ist aber wohl nicht so, dass nur Kinder in Kanada betroffen sind. Vielmehr werden die „4-Months Sleep Regressions“ hier einfach nicht so viel beschrieben und diskutiert.

Aber der Schlafrückgang ist echt. Sehr echt.

Plötzlich ist alles anders

Schlafen trotz Schlafrückgang und sleep Regression
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Es ist ja nicht so, als wäre man nicht gewarnt worden. Erfahrene Eltern und auch die Hebammen sagen es einem immer wieder: Wenn Du denkst Du hast den Dreh raus, schlägt das Kind in der Entwicklung einen Salto und alles steht Kopf. Die berühmten Sprünge aus dem Buch „Oje, ich wachse“ sind solche Fälle; und der plötzliche Schlafrückgang im 4.-5. Monat eben auch (und als wäre es nicht genug, kollidiert dieser auch gern mit dem 3. oder 4. Sprung). Auf Grund des Vorkommens im 4. Monat wird es im Englischen als „4-months sleep regression“ bezeichnet.

Tatsächlich wird der Schlafrückgang auch durch eine Veränderung in der Entwicklung des Kindes ausgelöst: Der Schlafzyklus des Kindes verändert sich, und wechselt von 2 auf 4 Schlafphasen.

Was genau passiert mit dem Schlaf?

Babies Schlafplatz kann den Schlafrückgang eindämmen
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Grundsätzlich schläft der Mensch in 4 Phasen. Zunächst einmal dämmern wir leicht weg (kennt man von müdem fernsehen), dann kommt die erste echte Schlafphase mit leichtem Schlaf, es folgt der Tiefschlaf, und dann die REM-Schlafphase in der wir träumen (REM = Rapid Eye Movement). Danach wachen wir kurz auf, drehen uns zum Beispiel um oder richten das Kissen (auch wenn wir uns meist am nächsten Tag nicht erinnern).

Neugeborene schlafen anders – sie kommen schneller in die Tiefschlafphase und bleiben dort auch länger. Deswegen lassen sie sich auch so gut ablegen, wenn sie eingeschlafen sind.
Diese praktische Eigenschaft ist nun vorbei. Es wird in allen 4 Phasen geträumt und häufiger aufgewacht. Das Kind ist dadurch irritiert und hat Schwierigkeiten langsam in den Schlaf zu gleiten, ohne sich selbst ausersehen wieder zu wecken (zB durch interessante Geräusche oder eigene Bewegung). Das führt zum häufigen Aufwachen und dem Schlafrückgang, also der sleep regression.

Wenn nun parallel noch ein Wachstums- und/oder Entwicklungsschub stattfindet, mit neuen Fähigkeiten die das Kind auch nachts im Schlaf noch übt und überdenkt (gut sichtbar zum Beispiel wenn das Rollen und Drehen von Rücken auf Bauch oder umgekehrt gelernt wird), und der Hunger groß ist, ergibt sich der perfekte Sturm des Schlafrückgangs. An ruhigen Schlaf ist nicht zu denken – zumindest vorrübergehend.

Was kann man gegen Schlafrückgang tun?

Sicherlich fragst Du dich, ob man diese Phase verhindern kann. Die Antwort ist leider: Nein. Der Weg in einen 4-phasigen Schlafrhythmus ist unumgänglich und auch wichtig. Aber man kann sein Kind durch diese Phase leiten. Hier kommen 6 Tipps wie Du deinem Baby helfen kannst wieder in den Schlaf zu finden.

Tipp 1: Routine, Routine, Routine.

Spätestens jetzt ist es Zeit, dem Kind mit Hilfe von Abend- und gegebenenfalls auch Mittagsroutinen die Schlafenszeit sichtbar zu machen. Sei es die Spieluhr, die Massage, das Eincremen oder das Vorlesen – wenn das Baby weiß was kommt, fällt es ihm leichter in den Schlaf zu finden. Auch wenn es schwer fällt – gerade jetzt ist es wichtig die Routine beizubehalten und dem Schlafrückgang entgegenzutreten.

Tipp 2: Dunkelheit und Ruhe

Wie vorhin erwähnt verbringt dein Kind nun mehr Zeit in leichten Schlafphasen als vorher. Daher wird es auch von Dingen die vorher überhaupt nicht störten aufgeschreckt – Bellen, grelles Licht, die Türklingel oder Töpfe klappern. Es hilft daher, das Kind aktiv zum Schlafen im dunklen Schlafzimmer zu betten und die Tür zu schließen.

Tipp 3: Angepasste Schlafzeiten

Wenn der Schlafrückgang dazu führt, dass tagsüber schlecht in den Schlaf gefunden wird, ist das Baby abends früher müde. Eventuell hilft es, die „Zu-Bett-geh-Zeit“ ein wenig vorzuziehen um Übermüdung zu vermeiden, denn dann wird es noch schwieriger in den Schlaf zu finden.

Schlafendes Baby - wenn der Schlafrückgang zuschlägt ist daran nicht zu denken.
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Tipp 4: Tagsüber austoben

Fällt die 4-months Sleep Regression mit einem Entwicklungsschub zusammen, und somit mit neuen Fähigkeiten wie das Rollen, sollte das Baby tagsüber genug Zeit haben die neuen Fähigkeiten zu üben. Zum einen hilft es dem Kind wirklich müde zu sein, und zum anderen wird es dann abends wenn es einschlafen soll nicht von Übungsdrang und gedanklichen Proben abgelenkt.

Tipp 5: Füttern und Stillen nach Bedarf

Wachsen macht hungrig. Das gilt sowohl für die Entwicklung der Körperlänge als auch für das geistige Wachstum. Babies lernen unheimlich viel in diesem Alter und haben daher einerhöhtes Nahrungs- aber auch Nähebedürfnis. Füttern und Stillen nach Bedarf kann hier beide Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn Trinken bei Mama im Arm stillt nicht nur den Hunger sondern bedeutet auch Nähe und Körperkontakt.

Tipp 6: Schlafgewöhnung optimieren

Um es gleich vorweg zu sagen: Leichter gesagt als getan. Ich stille M. zum einschlafen und lasse sie gern an der Brust noch etwas nuckeln während sie einschläft, weil sie dann tief schläft. Besser aber, laut Profi, wäre es das Kind zu stillen wenn es bettfertig ist, dazu vielleicht etwas Musik von der Spieluhr, und es dann abzulegen wenn es schläfrig aber noch nicht schlafend ist.
Durch das häufigere Aufwachen und kontrollieren der Umgebung ist sonst – wenn sie zum Beispiel an der Brust einschlafen sind – ein wieder einschlafen schwierig. Das Baby denkt es brauche die Brust zum einschlafen und überhaupt wundert es sich, das die Brust die ja „gerade noch“ da war plötzlich und samt Mama weg ist.

Ich hoffe mein Artikel konnte Dir ein wenig helfen zu verstehen was mit Deinem Baby im Moment los ist.
Wenn Dir die Tipps helfen oder Du noch weitere im Petto hast, lass es mich in den Kommentaren wissen!

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Author

34. Mama vom Mausebär. Weltenbummler, fest verankert in Köln. Crossfitter und Eishockeyspieler. Ernährungs-Besserwisser.

10 Comments

  1. Liebe Katharina,

    vielen Dank für diesen super toll erklärten Artikel. Ich wusste gar nicht, dass sich zu Beginn die Schlafphasen so sehr unterscheiden.
    Beim Lesen habe ich mich immer gefragt, ob wir diese plötzliche Schlafrückgangsphase mit unserem Kind auch so erlebt haben. Aber ich kann mich da ehrlicherweise nicht mehr so genau erinnern. Ich weiß nur, dass wir damals viele Problem mit dem Trinken nach dem Abstillen hatten.
    Deinen Artikel empfehle ich aber einer Freundin weiter, sie erwartet gerade ihren ersten Nachwuchs.

    Liebe Grüße,
    Mo

    • Danke, das freut mich zu hören!
      Klar, sind ja alle Kinder anders – mein Neffe hatte das auch nicht. 😀 Wär‘ ja auch zu einfach, wenn alle Kinder nachts einfach mal ordentlich ratzen würden. Hehe

      VG, Katharina

  2. Wunderbar erklärt und die Tipps sind auch sehr hilfreich. Baby Sleep Geräuschmaschine kann hilfreich sein. Besonders beruhigend wirkt der Sound Herzschlag.
    Alles Liebe
    Annette

    • Oh das kenn ich… Aber man will ja auch nicht ab 16h ein quengelndes Kind dabei haben. Schwierig schwierig…

  3. Obwohl ich mich im Studium mit dem Thema Schlaf beschäftigt habe, habe ich von dieser Phase im 4 Monat noch nie gehört. Interessant! Ich kann mich allerdings auch nicht erinnern das meine beiden Kleinen diese Phase hatten. Auf jeden Fall habe ich sie nicht bewusst registriert.

    lg
    Verena

    • Ja, es scheint nicht alle zu treffen – aber die die es trifft dafür heftig… Ich hatte in Deutschland auch nie davon gehört und bin erst durch kanadische Freunde darauf gestoßen. Lustigerweise ist die Englische Literatur voll davon – während es bei uns so gut wie nie genannt ist.

      VG, Anna

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