Im ersten Teil der Artikel Reihe habe ich erklärt, warum es gerade in der Schwangerschaft und Elternzeit so sinnvoll ist sich Achtsamkeit (auf Englisch „Mindfulness“) anzueignen (das kannst Du hier lesen).

Aber wie kann man Achtsamkeit im Alltag umsetzen ohne dass sich die lautesten Gegebenheiten im Kopf ausbreiten und einen alles andere schöne Übersehen lassen? Das schafft man, in dem man im Herzen ewiger Anfänger bleibt.

Wie ein Ballon im im Rucksack

Wir alle tragen unser Päckchen – unser Gepäck („Baggage“) wie man im Englischen so schön sagt. Eine Mischung unserer Erfahrungen, Gedanken, Ziele und Wünsche die uns und unseren Alltag beeinflussen auch wenn man sie uns den Rucksack den wir mit ihnen gefüllt tragen nicht ansieht.

Ein alles andere übertönender Gedanke oder ein besonders präsentes Ereignisse können diesen Rucksack so befallen, dass sie alles andere ausblenden. Wie ein Ballon der immer größer wird, in jede Ecke dringt, und alles andere aus dem Weg schiebt. In der Schwangerschaft und den ersten Wochen als Mutter spielen die Hormone mit uns verrückt und der Schlaf kommt auch zu kurz. Viel zu schnell kann ein kleines, unter anderen Umständen nichtiges Ereignis, unseren Rucksack füllen und ihn zum Bersten bringen.

Achtsamkeit kann den Ballon mit den alles überlagernden Gefühlen nicht aus unserem Gepäck entfernen, aber wir können mit genug Aufmerksamkeit für uns selbst den Rucksack „vergrößern“. Den anderen Gefühlen und Erfahrungen so viel Raum geben, dass der immer größer werdende Ballon trotzdem Platz findet. Man ist sich auch den anderen Gegebenheiten, Emotionen und Umständen bewusst – weil man sie sich immer wieder gezielt bewusst macht.

Amateur aus Leidenschaft

Möglich macht uns dieses Gedankenexperiment das „Beginner’s Mind“. Wie ein Anfänger begegnen wir den stressigen Umständen aber auch den gewohnten Gefühlen mit Interesse und Neugier, als spürten wir sie zum allerersten Mal.

Wenn wir etwas gut kennen oder können stellen wir schnell auf Autopilot. Man parkt das Auto vor dem Büro und plötzlich merkt man dass man die Autofahrt gar nicht aktiv aufmerksam verfolgt hat. Man war plötzlich angekommen. Ebenso in Präsentationen: Autopilot an, Programm runter spulen, und dann ist man auch schon durch. Welche Frage hatte nochmal der CEO gestellt? Habe ich gelächelt? …who knows…

Neugier heißt, so zu tun als würde man alles gerade zum allerersten Mal erleben. Und wenn man zum 347 mal ein Bauklotz-Türmchen baut damit Junior es umschmeißen kann, dann ist es zum ersten Mal aber genau dieses Türmchen in genau dieser Situation. Und mit Neugier fällt es uns leichter dann eben auch das 348. mal noch aufmerksam zuzuschauen wie Junior den untersten Stein wegzieht.

Ohne Angst in die Zukunft

Wer im hier und jetzt lebt, sagt allerdings auch Adieu an die Zukunftsträumereien. Denn wer alles aktuelle wirklich wahr nimmt, hat keine Zeit zu überleben was in 5 Jahren wäre wenn Fall X einträte.Um in der Gegenwart Aufmerksam zu sein, muss man seine Angst vor der Zukunft ablegen – man erreicht sie ja sowieso nicht, diese Zukunft. Wenn wir im Morgen angekommen sind, ist es Gegenwart, die Zukunft neu. Lieber gestalten was hier und jetzt ist.

Faszinierender Weise fand ich dass man bei der Geburt gar keine andere Wahl hatte. Ich kann mich jedenfalls nicht entsinnen an irgendetwas anderes gedacht zu haben. Ans atmen habe ich gedacht. Oder ans pressen. Aber immer nur an einen Schritt. Den nächsten. Klar, ich wusste gleich halte ich mein Baby in den Händen – aber so richtig darüber zu philosophieren wie es dann wird? Nein. Noch eine Wehe veratmen. Noch eine. Pressen. Kraft sammeln. Wieder pressen. Mehr war da nicht (doch, auch der Ausruf „Der Kilimanjaro war ein Scheiß dagegen“ – das sehe ich rückblickend aber wieder anders… andere Geschichte…) Ein bisschen wie Beppo Straßenkehrer in Momo: Man denkt immer nur an den nächsten Schritt.

Laut dem was ich gelesen hab ermöglicht diese Präsenz während der Geburt uns übrigens eine höhere Schmerztoleranz, hält uns wach und aufmerksam, und erlaubt es uns eine intensive Bindung durch ein solch intensives Erlebnis zum Kind aufzubauen.

Das soll allerdings nicht heißen das Meister der Achtsamkeit immer einfache Geburten hätten – Geburten sind ein sehr fragiles System in dem wir dank moderner Medizin die Möglichkeit haben im Notfall einzuschreiten. Da sollten wir auch bei aller Neugier und Ruhe nicht reinpfuschen um einer ruhigen Geburt willen. Jede Geburt ist anders, so wie jedes Kind anders ist.

Die Fähigkeit präsent zu sein

„When we stay in the present, we make wiser choices and take things less personally.“

– Saki Santorelli

Was unter der Geburt nicht anders möglich ist, muss im Alltag mit Kind gezielt priorisiert werden: Die Fähigkeit präsent zu sein.

Und das ist im Zeitalter von Smartphones mit denen man das Kind 100.000 mal am Tag fotografieren könnte, von Fernsehern die den ganzen Tag unterhalten wollen, Social Media die uns lehrt und belehrt was wir als Eltern falsch oder richtig machen alles andere als einfach.

Wenn das Kind einmal stundenlang schreit, meint es das für gewöhnlich nicht persönlich. Es will keinen beleidigen. Vielleicht hat es Hunger, oder einen Pups quer. Aber wir können da sein, Nähe spenden und Trost. Auch bei guter Laune und gerade wenn viel gelernt wird will das Kind Aufmerksamkeit haben. Zuletzt hat der Mausebär mit mir Guckguck gespielt und selbst immer wieder ein Wäschestück vor sein Gesicht gehalten, weggezogen, und ich musste Guckguck sagen. Ich wollte die Szene aufnehmen, hob das Telefon an – aber das Spiel war vorbei. Die Maus weiß sehr genau das dieses Telefon oft in meiner Hand ist und ich dann auch darauf aufmerksam schaue. Ihre fehlte die Aufmerksamkeit die sie eben noch hatte und hörte auf zu spielen um mich anzugucken und nach mir zu greifen.

Unsere Kinder kriegen sehr viel mit. Und es ist umso schöner, wenn auch wir viel von ihnen mitkriegen. Um uns dazu zu befähigen ist eine positive Einstellung (auch einer Kotzefütze oder Bananenmatsche gegenüber) unabdinglich – und die können wir nur erreichen wenn wir 100% präsent sind und uns auch in den ekligsten Windelsituationen klar machen dass diese Zeit jetzt ist und nie wieder kommt, mit all ihren schönen (Speckbeinchen!) und schwierigen (Fuß in der Kaka-Windel) Seiten.

Wer mehr zu Achtsamkeit für Mamas erfahren will, dem kann ich folgende Bücher ans Herz legen:

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Author

34. Mama vom Mausebär. Weltenbummler, fest verankert in Köln. Crossfitter und Eishockeyspieler. Ernährungs-Besserwisser.

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